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Ben Chananja · 1860-01-01 · 6 (1860) · p. Seite 289

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 289 (sequence 29)
Language
German
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— 289 — Aus her KetWiograste eines Jlaöötners. (Fortsetzung.) *) Den 22. Juni 1837. Mein theuerer Bruder! Mitternacht ist schon vorüber, der erste Strahl des Morgenrothes wird bald anbrechen und dann schlägt die Abschiedsstunde aus dem Vaterhause, und mit dem Schritte über die Schwelle gehe ich dem Orte meiner Bestimmung, gehe ich dem ganzen vollen Ernst des Lebens entgegen. Ich werde selbstständig und nehme viel der Verantwortung einer heiligen Sache auf mich. Man tadelt das Judenthum von mancher Seite, und macht es Ihm zum Vorwurfe, daß seine Seelsorger durch keinen feierlichen Akt eine priesterliche Weihe für ihren Beruf empfangen. — wahrlich, heiligender kann keine Weihe sein, als solch ein Abschied von meiner Heimat; wo der Segen nicht bloß von einem Geistlichen ״von Amtswegen" gesprochen wird, sondern wo jeder in der Gemeinde aus eigenem Antriebe kommt und den Segen zu einem segenreichen Wirken, zum Gedeihen der auszustreuenden Saaten im Weinberge des Herrn ertheilt. Wenn man einen Jeden so durchdrungen sieht, einem Jeden es abmerkt, wie in ihm die Ueberzeugung lebt, daß eine gesunde Entwickelung im Judenthnme, Israels Heil, von dem redlichen Herzen und von der gewissenhaften Berufstreue seiner Volkslehrer abhängt, so, daß es auch Jedem — nicht aus ex offo Zwang — Bedürfniß ist, ein segnendes Wort zu sprechen: fürwahr das sind die eindringlichsten Worte der Weihe, die nimmer dem Bewußtsein entschwinden. Jedes Gemeindeglied im Wirkungskreise reproduzirt mit seiner Person schon die Vorstellung von der Uebernahme der heiligen Pflichten; jeder Jude, der uns begegnet, ist eine Erinnerung und Mahnung zur treuen, gewissenhaft ten Hut der Gottesheerde, und ich, ja, ich will ein treuer Hirte, ein gewissen- Hafter Diener, ein aufrichtiger Freund meiner Gemeinde sein. Ich komme mir, lieber Bruder, heute vor, wie ein Sterbender, den, so lange er noch einen Funken von Bewußtsein hat, zu verlassen seine Freunde und Bekannte sich nicht entschließen können, wiewohl die Ruhe und Stille ihm besser und Wohlthuender zu Statten kommen würde. Wie einem Sterbenden, obgleich ihm ein Jenseits, ein Himmelreich winkt, der Abschied bei aller Fassung, doch schwer wird; so macht auch mir der Abschied das Herz beklommen, wiewohl ich meinem Ziele, dem Orte meiner Bestimmung engegen gehe. Wie man einem Sterbenden alte Sorgfalt widmet, ihn mit aller Zartheit behandelt, altes Schöne sagt und der Ernst des Augenblickes ihm so viele Freunde und auch Lobhudler erwirbt; so wurde ich auch heute von Allen verhätschelt, geliebkost, mit Komplimenten über Abschieds-Draschah und Predigt überhäuft, selbst von ')■«. 4. Heft S. 191.

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