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Ben Chananja · 1860-01-01 · 6 (1860) · p. Seite 286

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 286 (sequence 26)
Language
German
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— 286 — und zur Herstellung einer gereinigten Gottesverehrung auch außerhalb der Grenzen ihres Wirkungskreises zu erheben nicht abstehen, daher vom Drange der Umstände dazu hingewiesen, seine Zuflucht zu mehrern Gelehrten und in Achtung stehenden Rabbinen unserer Monarchie gegen Willkührlichkeit und geistige Knechtung zu nehmen. Unsere Gemeinde, eine der jüngern zwar, die jedoch durch günstige Lage und die Kommunikationsverhältnisse des Ortes sowohl in sozialer und kommerzieller Hinsicht, als auch in Seelenzahl bedeutend gewachsen, nahm gleich vom Anfänge ihrer Begründung unter Leitung unseres damaligen Rabbiners Hrn Dr. M. Zipser eine auf echter Religiosität begründete, aber zugleich dem Standpunkte der Zivilisation und Bildung angemessene Richtung, wie dies in den vorzüglichen Gemeinden des In- und Auslandes gang und gebe ist. Es wurden keine Opfer gescheuet, um eine den Anforderungen der Zeit entsprechende Kinderschule zu begründen, den Gottesdienst seinem erhabenen Zwecke gemäß zu regeln, Gemeinde-Statuten wie noch sonstige wohlthätige Anstalten tn's Leben zu rufen, deren heilsamen Wirkungen wir uns unter allgemeiner Zufriedenheit der Gemeinde länger als ein Derennium zu erfreuen hatten. Zu unserm Bedauern jedoch kamen in den letzten Jahren Mitglieder vom Lande herein, deren Begriffe und Anschauungen, noch vom Hauche einer mittelalterlichen Erziehung angewehet, mit jedem Fortschritte der Neuzeit unvereinbar waren. Von einigen Zeloten und unruhigen Geistern, die unter dem Deckmantel der Religion ihre eigennützigen Privatinteressen zu erlangen strebten, noch mehr angefacht, ging diese Partei so weit, daß der Friede der Gemeinde leider seit fünf Jahren ganz dahin ist, und wir nichts als Prozesse über Prozesse wegen Religionssachen bei der Behörde zu führen haben. Eine traurige, für unsere Gemeindeverhältnisse sehr nachtheilig wirkende Folge war es auch, daß unser allgemein geachteter Rabbiner sich hierdurch veranlaßt sah, seinen hiesigen Posten aufzugeben, wodurch wir einer der Hauptstützen zur Aufrechthaltnng des Gemeindefriedenö verlustig gingen. Als wir dann die bei uns vakant gewordene Rabbinerstelle neuerdings besetzen wollten, wurde uns von opposttioneller Seite Hr. Dr. Gugenheim, früher in Teschen und damals in Aussee, in Vorschlag gebracht, zu dem sie trotz seiner liberalen Gesinnung ihre Einwilligung geben und den Frieden der Gemeinde nicht mehr stören wollte. Da Hr. Dr. Gugenheim, dem wir als Geistlichen auch auf Wort glaubten, sich in ganz loyaler Gesinnung gegen uns äußerte, anderseits uns auch die Aufrecht- Haltung des Gemeindefriedens über Alles ging, willigten wir zu seiner Aufnahme ein und vertrauten ihm das hiesige Rabbinat an.

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