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Ben Chananja · 1860-01-01 · 6 (1860) · p. Seite 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 282 (sequence 22)
Language
German
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Antwort in Bereitschaft gehalten wird. Auf nüchternen Verstand kommt es gar nicht dabei an, und daö ahnende Brüten der Kinder ist mehr Werth als die verständige Deutlichkeit des Begreifens. Denn wahr bleibt des Dichters Wort: Spricht die Seele, so spricht auch die Seele nicht mehr. Eine Stufe höher stehen die lebensvollen Bilder der Geschichte, in der sich der sittliche und heilige Weltengetst manifestirt. Wir meinen noch nicht irgend eine bestimmte Geschichte, sondern die Thatsache des lebendigen Ereignisses , wo der Mensch in seinem eigenen Spiegel sich stehet, unter verschiedenen Lagen und Umständen sich und sein Verhältniß zu Gott, Verhältniß seines Handelns zur sittlichen Idee, immer von andern Seiten kennen lernt. Was sich da an lebensvollen Bildern als Lehre von Gott, seinen Eigenschäften, seiner Vorsehung und Leitung, ohne Katechistren und Schematisiren ergeben wird, das ist eine frisch duftende Blume aus üppiger Flur gepflückt, keine getrocknete, ftir's Herbarium präparirte welke und tobte Pflanzenleiche, wie das Paragrafen- Wesen es ist. Hat der Geist solcher Blumen, aus der Hand der Natur empfangen, viele gesammelt, dann kommet meinetwegen, und ordnet sie für das Gedächtniß nach Systemen und Kapiteln. Hat man doch auch Lehrbücher der Aesthetik für Frequentanten der Hochschule. — Aber die zarten Kinderseelen und ihr Jdealisirungsvermögen dürft ihr mit solchem Stricke nicht erdrosseln wollen. Das wären die didaktischen Prinzipien, die wir aus der Psychologie schöpfen, und wir könnten damit schließen, gäbe es nur eine allgemeine Religion und nicht auch bestimmte Confessioneu. Religion verhält sich aber zur Confession wie Denken zu Sprechen. Die Menschen sprechen verschiedene Sprachen, wie auch die Denkgesetze dieselben sind. Aber wir können vor allem nur in der Einen Sprache uns ausdrücken — in der Muttersprache, die hat ihre eigenen Forderungen, welche sich nicht alsogleich aus einer allgemeinen Sprachlehre deduciren lassen. Aber ebenso können wir nur nach einer bestimmten Confession religiös sein, und das ist die angestammte ererbte Confession, für uns die jüdische, nnd das Judenthum hat wieder seine Anforderungen an den Pädagogen, die wir in zweiter Linie zu untersuchen haben. (Schluß folgt.)

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