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Ben Chananja · 1860-01-01 · 6 (1860) · p. Seite 280

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 280 (sequence 20)
Language
German
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— 280 — noch Herz; der freie Geist ergehet sich gerne fessellos in solchen Dingen, das scheue Herz will Wärme haben. Ja umgekehrt, je schärfer der Verstandesfaktor betont wird, desto ätzender wirkt er ans das Ideale, und früh oder spät kehrt die Skepsis gerade die Waffe der Deduktion gegen diese selbst; denn alle diese hölzernen Paragrafe, die man da vorsagt und nachsprechen läßt, sind uns in ein einem gewissen Alter noch nichts, weil wir sie nicht begreifen, und in einem andern gewissen Alter schon nichts, weil wir ihr Unzureichendheit durchschauen. Ja mau sehe sich einmal um, ob auf irgend einem pädagogischen Gebiete, wo es sich um das Jdealisirungsvermögen handelt, ein solches Mißgriff geduldet würde, wie man ihn für die religiöse Bildung befürwortet. Wer würde sich einsallen lassen, den Geschmack, den Kunstsinn der Kinder durch eine Theorie der Aesthetik heranbilden zu wollen? An schönen Landschaften, an Kunstwerken, an Versuchen im Nachbilden übt sich der Geschmack, entzündet sich das Jdealisirnngsvermögen, wie es die Kunst erfordert. Ueberhanpt ist das Wissen doch überall noch himmelweit vom Können entfernet. Man lernt durch keine Grammatik sprechen, durch keine Logik denken. Keiner würde gehen lernen, wenn er nichts anderes thäte, als die Gesetze des Gleichgewichtes und die Verschiebung des Schwerpunktes bei sich bewegenden Körpern studieren. Und ein Kind soll religiös werden, wenn es so und so viel abgeschmackte Paragrafe im Kopfe hat, die den ganzen Himmel des Glaubens, der in seiner Totalität will erfasst werden, wie eine Mixtur löffelweise dem Patienten einschütten? Heben wir ein spezielles Thema z. B das Beten hervor. Das Gebet ist gewiß jedem Menschen, der es keusch und rein vollbringen kann, ein erfrischendes Geistesbad. Wer aber das Beten als Kind nicht gelernt hat, der wird den Hochgenuß der Andacht später, wenn die Reflexion wach geworden, nie empfinden lernen. Man leite das Kind zum Morgen- und Abend-, zum Schlaf- und Speise-Gebete an, führe es allmählich in die Liturgie ein, lasse es sich seinen Gott immer allgegenwärtig denken, und es wird gerne und willig beten. Setzet es aber in die Schulbank, und doctret: Was heißt Beten? Warum soll Mn beten? Wie soll man beten? Wann soll man beten? Wie

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