Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 278 — ganze Reihe graduell verschiedener Ideale, die alle Gottheiten für eine gewisse Bildungsstufe sind. In so ferne ist es wahr, daß wir dem Geiste gleichen, den wir begreifen, aber auch nur den Geist begreifen, dem wir gleichen. Nicht nur ist der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen, sondern es schafft sich gar gerne der Mensch den Gott in seinem eigenen Ebenbilde. Einer hieraus sich leicht bildenden Entartung des Jdealisirungsvermögens hat der Religionsunterricht vorzubeugen. Hier ist der Grund für die Nothwendigkeit und Unerläßlichkeit eines solchen Unterrichtes in früher Jugend zu suchen, und die Kenntniß des Zweckes muß die Wahl der Mittel lehren. Da das Ideal, das der Mensch sich schafft, aus seiner gewonnenen Bildung hervorgehet, so ist es auch der sicherste Maßstab derselben. Daher haben alle Geschichtsforscher mit Recht die Religion eines Volkes als das zuverlässigste Maß seiner Kulturhöhe erkannt. Wer also Religionsunterricht ertheilt, der wendet sich an den ganzen Menschen, ruft alle Seelenthätigkeit wach, ergreift den Geist in seiner Totalität. Die Erkenntniß wird um Ideen bereichert, das Gefühl der Seligkeit wird rege, das Begehrnngsvermögen erhält seine höchste Norm im sittlichen Gesetze Gottes, in der Freiheit, die sich selbst beschränkt, und zur Tugend wird. Wohl gibt es daher noch andere Gebiete in der Erziehung und dem Unterrichte, in denen die Bildung des Jdealisirungsvermögens seine Prävalenz hat, z. B. in der Geschmacksbildung, in der Erweckung des Sinnes für Schönheit, — aber keines ist so wichtig als das der Religion, weil eben das Ideal aller Ideale das Höchste ist, das alle in sich schließt. Die umfassendste Bildung der Menschenseele ist ihre Bildung zur Religion. — Man begreift daher, daß die Religion im Schulorganismus das vorwiegendste Element bildet. Allein jedes Ideal sucht seinen Ausdruck. Das Ideal, das der Künstler in sich trägt, muß durch irgend ein Mittel in die Erscheinung treten, sei es durch Wort, oder Ton, oder Farbe und Gebilde. Von der sinnlichen Wahrnehmung erhielt das JdealisirungSvermögen seinen ersten Ausgang, seine erste Nahrung; iv die Welt der Sinnlichkeit, mit der der leibliche Mensch so innig