Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 276 — weckende Ansprache, nur ein Co der nothwendig, der aber wie jeder Codex, als Compler aller gesetzlichen Bestimmungen, bearbeitet wurde. Auf der ganzen weiten dürren Steppe des Schulchan-Aruch blühet kein einziges Blümlein, daran der spekulirende Geist, das lechzende Gemüth sich freuet; es ist eine weite pampaöartig sich hindehnende Ebene, vom Heidekraut des Gesetzes bewachsen. Zu welchem reizenden Ziele eine Erziehung nach diesem Prinzip« führt, ist wohl zu erwähnen überflüssig. Wie da jede religiöse Idee von ihrem Nachwuchs an Gesetzen überwuchert, durch Werkheiligkeit erstickt worden ist, wie sich da Religionsadvokaten, heilige ״Juristen" mitunter auch Spione Gottes herangebildet haben, ist männiglich bekannt — und wer es nicht kennt, wird einige Eremplarien so gebildeter Menschen nicht erst in Raritäten-Kabineten zu suchen haben. Einige Ueberreste der Religions- Polizei sind noch überall zu treffen. Wo ist aber wirklich die Wurzel der Religion in der menschlichen Seele zu suchen? Wir antworten: Im Jdealisirungs-׳ vermögen, im Vermögen Ideale zu bilden, in dem Drange und Triebe, sie zu schaffen. Der Mensch nimmt nämlich die Eigenschaften der Dinge wahr, vergleicht sie mit einander: findet bald Gradunterschiede, deren er sich bewußt wird. Stark ist der Hund, der Löwe ist stärker; es wehet der Wind, aber es tobt der Sturm. Der Mensch lernt eine ganze Stufenleiter von Grad- Verschiedenheiten theils durch äußere, theils innere Anschauung kennen. Es drängt ihn, dieser Stufenleiter letzte Sprosse zu erklimmen. Was ist das Stärkste, das Mächtigste, das Größte und Höchste? Seine Fantasie gehet über das Gegebene, Wahrgenommene hinaus, bildet sich ein Vollkommenes, das nicht übertroffen werden kann. Dieser Maßstab der Vollkommenheit heißt ein Ideal. Da man sich von jeder Eigenschaft und Thätigkeit einen tiefern, so kann man sich auch einen höhern Grad davon denken, — man kann sich also von jedem ein Ideal bilden. Zur Bildung der Ideale hat der Mensch einen natürlichen, urwüchsigen Trieb. Wie es ein Bedürfniß des äußern Organismus ist zu athmen, Nahrung zu sich zu nehmen, wie der leibliche Mensch ohne Absicht und Willkür die eingenommene Nahrung assimilirt und verdauet, in