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Ben Chananja · 1860-01-01 · 4-5 (1860) · p. Seite 245

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
4-5 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 245 (sequence 89)
Language
German
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— 245 — Dem Rabbiner steht nur die Initiative der Gedanken und des Wortes zu, dieses sott gleichen an Gewalt dem Hammer כפטיש יפוצץ סלע und an Ausdauer dem Waffertropfeu — gutta cavat lapidem; von der Kanzel nluß die Gemeinde durch unermüdliche Beleuchtung und Bloslegung der Mißbrauche und ihrer Folgen für die Reform empfänglich gemacht werden, und wenn die Gemeinde in ihrer großen Majorität von den veralteten und verlebten Gebräuchen sich faktisch losgesagt hat, ist es des Rabbiners Sache Hand an deren Beseitigung zu legen. Und in der That hat die Gottesdienstreform in Böhmen dresen Prozeß glücklich dnrchgemacht. Durch die deutsche Predigt, welche alte Schichten durchdringt, »hat sich nach und nach ein feines ästhetisches Gefühl herausgebildet, welches von allem Unschönen und Geschmacklosen in der Gottesverehrung mit Widerwillen sich abwendet, und das זה אלי ואנוהל nur durch einen würdevollen und herzerhebenden Gottesdienst zur Wahrheit werden sieht. Mit dem Alten ist über den Singsang und die ״Lieder ohne Worte" unwiderruflich der Stab gebrochen; Niemand hängt mehr mit Leib und Seele am Piut, Niemand glaubt mehr die Pforte des Paradieses sich zu öffnen, wenn er das Amen mit der ganzen Leibestraft schreit; der alle Poren des häuslichen und socialen Lebens durchdringende Schönheits- und Ordnungssinn Witt nun einmal auch an heiliger Stätte sich nicht unterdrücken lassen, man Witt nun einmal in der heiligsten Angelegenheit nicht me.hr zum Gespötte dastehen, nachdem man in den weltlichen Angelegenheiten den Spott und den Hohn zum Schweigen gebracht; ״Judenschnl" und ״polnischer Landtag" dürfen nicht mehr als Zwittingsbrüder bezeichnet werden können. Nun, sollte man meinen, müßte der Gottesdienst in Böhmen einen Aufschwung genommen haben, der nichts mehr zu wünschen läßt; aber ein Blick in die erste re forma torische Synagoge muß uns leider vom Gegentheil überzeugen , überall das vor- und rückwärtsschauende Janusgesicht, überall das Stück- und Flickwerk in der heiligsten Angelegenheit des Menschen. Um gegen das ידך MN אל NW טוב אשר תארוז בוה וגם sich nicht zu versündigen, darf die Unordnung nicht ganz aus der Synagoge verbannt werden, und dadurch macht das Ganze den Eindruck einer schön kalligraphischen Schrift die von orthographischen Fehlern strotzt. Wie grell erst dieser Gegensatz tu den Diis minorum gentium uns entgegentritt, können wir nur durch Autopsie uns überzeugen. Wir betreten einen Prachtvoll gebauten und nach alten Erfordernissen der Neuzeit eingerichteten Tempel. Bor dem Betpult steht ein geschulter Kantor mit einem gut abgerichteten Chor. - An der Thüre zeigt sich uns in Glas und Rahmen die ״Synagogenordnung," welche das Schwätzen, Schreien n\ untersagt. Die Mizwot werden nicht versteigert, das Ausrufen geschieht durch Karten, kurz Alles deutet auf einen geregelten Gottesdienst. Aber horch! Was bedeutet denn, das Hin-und Herfragen zwischen Kore und Ole? Dieser flüstert jenem was ins Ohr, was er nicht versteht, und durch allerlei gerade nicht ästhetische Pantomimen nicht zu verstehen vorgibt. Diese mit der Weise des Gottesdienstes so grell contrastireude Privatkorrespondenz

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