Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 4-5 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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244 — M > ־M l»i»# # ״ויי• Ale tn , , . IV: In -er Synagoge.*) Die alten Rabbiner hatten in der Regel ihr Beth-Hamidrasch oder Hausminjan und kümmerten sich wenig oder gar nicht um den öffentlichen Gottesdienst in der Gemeinde. Ihre Betheiligung an demselben war geringer als die des nachläßigsten Synagogeubesuchers und ihr Einfluß auf denselben natürlich gleich Null. Es gab auch hier weder was zu beeinflußen noch zu beaufsichtigen. Der^Gottesdienst hatte seine bestimmte unantastbare Form oder Unform, das Schreien, Wärmen oder Toben galt als ein heiliges Gebot des כל עצמותי תאמרנה, Unordnung und Regellosigkeit waren die nothwendige Folge der unbeschränkten und unbeschränkbaren Freiheit jedes Einzelnen in dem Erguß seines religiösen Gefühles, und der Rabbiner, außerhalb der Synagoge wie ein Heiliger verehrt und als erste Autorität geachtet, galt in derselben nicht mehr als jeder Andre; er hatte als solcher weder zu leiten noch zu sungiren, weder zu vertreten noch zu verantworten, weder zu befehlen noch anzuordnen, kurz — die Synagoge stand außerhalb seines Wirkungskreises. Dieses Verhältniß ist nun in unserer Zeit ein ganz anderes geworden; heutzutage wird allgemein die Synagoge als der Hauptwirknngskreis des Rabbiners bezeichnet, und die Regelung und Leitung des Gottesdienstes allenthalben als seine erste und unerläßlichste Berusspflicht ihm vorgehalten. Es gibt schon fast keine Gemeinde in Böhmen, die in diesem Punkte dem Fortschritt abhold wäre, und fast in keiner Gemeinde gibt es in diesem Punkte mehr eine Stabilitätspartei. Reglung des Gottesdienstes — ist ein tiefgefühltes allgemeines Bedürsniß und die Befriedigung dieses Bedürfnisses ist die erste an den Rabbiner gestellte dringende Forderung. Die Rollen haben seit 2 Decennien gewechselt; während vor noch kaum 20 Jahren jeder Rabbiner, der es wagte das Schnlrufen und Mizwotversteigern als Mißbräuche abstellen zu wollen, als ein Reformer verschrieen und angefeindet wurde, wird heutzutage fast sämmtlichen Rabbinern in Böhmen der Vorwurf gemacht, daß sie in der Synagoge zu wenig wirken, und nicht genug zur Hebung des Gottesdienstes durch Abstellung der Mißbräuche beitragen. Dieser Umschwung kann in gewißer Beziehung nur ein erfreulicher genannt werden; denn soll die gottesdienstliche Reform ein wahrer Fortschritt im Guten sein, muß sie von der Gemeinde und nicht vom Rabbiner ansgehen. Jede Gewaltanwendnng muß hier nicht nur als Gewissenszwang sondern als zweckwidrig und als des Fortschrittes gefährlichster Feind verwiesen werden und wir möchten allen Reformern pur ioros den Bibelvers zurnfen: בי חרבך הנפת עליה ותחלליה So dn beim Altarbau das Eisen, oder Gewalt anwenden willst, so hast dn ihn schon entweiht, und den Zweck verfehlt.!) S. II. Jhrg. S. 272. Red. 5544 7229