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Ben Chananja · 1860-01-01 · 4-5 (1860) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
4-5 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 204 (sequence 48)
Language
German
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204 — das wesentlichste Gewicht legen, nebenher in dieser Beziehung auch die Sprachforschungen der Araber zeitig kennen lernten, und deren Dichtungsweise und Sprachspiele gerne nachahmten, so kam es nur darauf an, die noch Vorhändenen Reste des Alterthums zu betrachten und mit kritischem Auge zu würdigen, um in der That auffallende und neue Ergebnisse zu finden. Als solche sehen wir an: a) Daß die Karäer nicht etwa die Nachahmer der erst gegen die Mitte des X. Jahrhunderts aufblühenden neuhebräischen Dichtung und des lebhaften Eifers für Grammatik und Lerikografie waren, sondern umgekehrt, deren um etwa zwei Jahrhunderte altern Vorbilder, womit zugleich die Bemerkung sich verbindet, daß die tiberiensische und die babilonische Mafforaschule, großentheils Karäer oder doch karäisch gefinnte Männer zu Urhebern oder Pflegern hatte, und daß die Rabbinen erst durch ihren Vorgang gewissermaßen genöthigt worden, stch derselben Wissenschaft und Kunst hinzngeben. bis sie nach einigen Jahr- Hunderten durch ihre Fortschritte ihre Vorbilder bei Weitem übertrafen. b) Daß die Karaim, als deren erster Begründer An an im 8. Jahrh. verehrt wird, bereits zerstreut, wenn auch keine Sekte, doch eine starke Partei lange vor Anan ausgemacht haben, die durch ihn erst eine gewisse Selbstständigkeit erhielt, ohne jedoch fich des Rabbinismns gänzlich zu entschlageu, daher denn immer noch neben seinen Anhängern eine radikalere Partei fortwirkte, und manche Verzweigungen trieb, die mehr und minder fich lange forterhielten. 6) Daß ungefähr 80 Jahre später der sehr gelehrte Benjamin B. Moseh Nehawendi (wie Hr. P. uns belehrt, in alten Handschriften) genannt, über ihn weit hinausging, und dem Karaismus den Rabbinen gegenüber größere Selbstständigkeit ficherte, somit ein zweiter Reformator geworden. ä) Daß hiernach der jüngere, noch schärfer ausgeprägte Karaismus im Kampfe gegen den Rabbinismus stch weiter ausbildete, der um eiu Jahrhundert später die Gestalt annahm, welche er unter manchen Schattirungen nachmals behielt. Zu diesen gehören vornehmlich die geteilten Richtungen in verschiedenen Gesetzauslagen einerseits, und die Verschiedenheit der Lehrweise andererseits, je nachdem die Lehrer streng auf Bibelstudium mit Ausschließung fremder Wissenschaft und selbst fremder Sprachen Alles beschränken wollten, während andere freie filosostsche Bildung zur Pflicht machten. 6) Den Nachweis eines ausgezeichneten reichhaltigen Diwan's, eines in vielen Beziehungen höchst merkwürdigen Dichters aus Fez Moseh B. Abraham harofe, auch Alfast, der fich einen Karäer nennt, und als solcher fich durchweg charakterifirt, wie die Proben, welche Hr. P. vorführt, beweisen. Diesem Verfasser von 444 langem und kürzern Gedichten versetzt Hr. P. mit anscheinend sehr guten Grün-

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