Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 4-5 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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— 203 — Theil vor uns haben. Wir brauchen wol kaum die Versicherung hinzuzufügen, daß wir lediglich durch die Bewunderung, die wir der Gelehrsamkeit, und noch mehr durch die aufrichtige Hochachtung, die wir der Umsicht, dem Forschergeiste und der reinen Wahrheitsliebe des Herrn Verfassers zollen, uns aufgefordert fühlen, schon im Voraus ein Werk zu besprechen, das noch seiner Vollendung entgegenharrt. Es liegt uns am Herzen, einem in seinem morgenländischen Gewände erscheinenden tüchtigen Einwanderer von deutschem Fleiße und deutscher Ausdauer wie deutscher Offenherzigkeit bei einheimischen Freunden gute Aufnahme zu bereiten, ehe die literarischen Moskitos ihn umschwärmen, um an jedem Druckfehler zu saugen, und ihm unfern Boden' zu verleiden. Wie wir dem Herrn P i n s k e r ein freudiges Willkommen zurufen, so hoffen wir, werden bald eine zahlreiche Schaar ihm wohlverdiente Lorbeeren entgegentragen. — Und nun zur Sache! Die uns vorliegenden Blätter zerfallen in drei Abtheilungen: 1. Eine ausführliche Abhandlung über das Karaim-Wesen, dessen Entstehung, Verzweigung und literarische Grundlage, innerhalb der ersten zwei Jahrhunderte seiner literarischen Thätigkeit, — mit sorgfältiger Untersuchung der oft verkannten, entstellten, und mit andern verwechselten Namen, wie auch mit möglichster Ermittelung der Abfaffungsjahre. — Alles, was bisher von altern Arabern, meist nach karäischen, sehr unzuverlässigen Ucberliesernngen oder Dichtungen, oft aus mißverstandenen Berichten, oder karäischen, von Unwissenden zusammengestellten Sagen oder Einbildungen, oder von haßerfüllten Gegnern ohne Sachkenntniß, oder endlich jüngern Forschern, oft aus bloßen Bruchstücken geschloffenen Vorgängen, geleistet worden, hat Hr. P. hierbei mit scharfblickender Kritik beachtet, und gelegentlich berichtigt. An vielen Stellen sind von ihm Vermuthungen gegeben, welche noch ans ihre Bestätignng oder Widerlegung warten. So weit wie die Forschungen unsere eigenen Ergebnisse berühren, bei welchen wir, trotz eines Ouellenschatzes, der uns zu Gebote stand, offen den Mangel näherer Angaben beklagten, werden wir die Aufschlüsse, welche uns Hr. Pinsker jetzt dar.bietet, in .einem Nachtrage zu unserm Geschichtswerk den Besitzern desselben mittheilen. Hr. Pinsker nämlich hat ohne durch seine Lieblingsstudien, die karäische Literatur, in seinen rabbinischen Ansichten irre zu werden, den bekannten Quellen-Reichthum des, vom karäischen Fanatismus nicht ganz freizusprechenden, übrigens wackern Gelehrten Abraham Firkowitsch, und außerdem mehrere sehr bedeutende Gemeindeu. Vereinssammlungen mit Sorgfalt gelesen, unter einander verglichen, die Aufeinanderfolge der Schriften gehörig erwogen, und dadurch einen innern Zusammenhang ermittelt, wodurch es ihm gelungen ist, ein Helles Licht auf die Geschichte der Karaim zu werfen, auch nicht verfehlt, überall die begleitende Geschichte der Rabbinen, sowie die der andern Völker zn Rathe zu ziehen. — Da die Karaim hauptsächlich auf die 24 Bücher der heil. Schrift zurückgehen, auf Eregese und Verständniß der hebräischen Sprache