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Ben Chananja · 1860-01-01 · 4-5 (1860) · p. Seite 202

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
4-5 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 202 (sequence 46)
Language
German
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202 Ltterärijche Anzeigen. Karaim - Literatur. *) Von Dr. 3. M. 30(1. Nicht früh genug kann eine wissenschaftlich-theologische Zeitschrift auf eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der Gelehrtenwelt aufmerksam machen, obwohl sie, während wir dies schreiben, noch nicht ganz an's Licht getreten ist. Unser Gesichtskreis ist leider von so vielen Fratzen und Irrlichtern angesüllt, daß die vorsichtigen Wanderer vor jeder neu austauchenden Gestalt eher zurückbeben, um nicht ihres Geldes, und was schlimmer ist, ihrer Zeit beraubt zu werden, und die echten Geisteskinder, welche in die Gesellschaft eintreten möchten, um diese zu veredeln, oft Jahre lang herumwandern müssen, ehe sie einen Gastfreund finden, der sie erkennt und weiter einführt. Darum mag es entschuldigt werden, wenn ich eine noch unter den Preßwehen seufzende Geburt ankündige, um die Blicke auf einen neuen Planeten hinzulenken, der sich am literarischen Himmel den bewaffneten Augen zu zeigen beginnt, bald aber von den Forschern genauer beobachtet und von Freunden freier wissenschaftlicher Bestrebungen mit Vergnügen begrüßt werden wird. Wir weisen auf die unter dem bescheidenen Namen Sammlungen aus dem Alterthume ליקוטי קדמוניות von S. Pinsker eben in Wien herauskommenden höchst lehrreichen Aufschlüsse über Geschichte und Literatur der Karäer hin, wovon wir den bereits abgedruckten größer» *) Dieser Aufsatz ist bereits vor drei Monaten von Frankfurt abgesendet worden, als das Pinsker'sche Werk noch nicht seinen Kulminations- Punkt erreicht hatte. Seit jener Zeit haben wir allwöchentlich die hinzugekommenen Bogen empfangen, und wir können nur immer mehr die vielfältigen Entdeckungen bewundern, womit Hr. Pinsker die Literatur, nicht nur der Karaim, sondern auch der neu-hebräischen Leistungen des 9. bis 12. Jahrhuuderts überhaupt bereichert, und ein ganz neues Licht über jene bisher sehr dunkle Zeit verbreitet. Wir stehen im Begriffe, nach diesem großen Fortschritt das Wesen der Karaiten und ihren Einfluß auf ihre Gegner, wie der letzter» auf sie gänzlich umzuarbeiten. Wir haben seit langer Zeit kein Werk von so hoher Bedeutung erhalten, wie das des Hrn. Pinsker, und die Gerechtigkeit fordert, diese Anerkennung mit voller Entschiedenheit auszusprechen, und, weil sein Werk in hebräischer Sprache erscheint, die wesentlichen Ergebnisse seiner Forschungen, — was übrigens seine Urschrift keineswegs überflüssig macht — über weitere Kreise zu verbreiten.

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