Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 4-5 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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— 182 diesen Stand noch nicht, wie jetzt, als bloße Erwerbsquelle geschätzt, er war noch nicht so profanifirt, er war noch mit einem Nimbus umgeben, zu dem in der That der Zutritt nicht so leicht zu erringen war. Eltern setzten noch ihren ganzen Stolz darin, ihren Sohn als Rabbiner sungiren zu sehen, in allen Familien munterte man die Knaben auf mit den Worten: ״Siehst du, wenn du fleißig sein wirst, wirst du auch einst Rabbiner werden können." Natürlich, daß die Freude meiner Lieben sich noch in erhöhterem Glanze in meinem ganzen Wesen abspiegelte. Ich fühlte mich gehoben bei dem Gedanken, in einigen Tagen einer ehrenwerthan Gemeinde als Seelenhirt vorzustehen; geistig lebte ich schon in meinem Rabbinate, und meine Gedanken hielten schon die Rundschau im ganzen Gebiete meines rabbinischen Wirkungskreises. Im Geiste ordnend, schaffend, lebte ich meine Tage dahin, überschaute schon im Gedanken meine Schöpfung, all' die schönen Resultate meines Wirkens, ״und sieh', Alles war sehr gut." Wie mein Selbstgefühl zur Riesengestalt heranwuchs, welche Empfindungen nnd Gefühle bei mir abwechselten, nein, ich kann jetzt meinen damaligen Seelenznstand nicht mehr schildern, ich hätte es auch damals nicht vermocht. 19. Juni 1837. ״So ist es denn wahr. Ich habe einen so ehrenvollen Standpunkt in der menschlichen Gesellschaft erlangt, einen heiligen Wirkungskreis, inmitten einer jüdischen Gemeinde; so wäre ich bevorzugt vor so vielen Andern, schon angelangt an das Ziel, das man mir von meiner Kindheit an gesteckt, und das ich selbst seit Jahren so gerne anstrebte; so wären denn zu Ende alle Prüfungen und Entbehrungen, zu Ende alles Leid, mit welchem die Fremde so freigebig ist gegen einen Bachur; selbst soll ich, der ich noch vor Kurzem unter den Jüngern auf einer Jeschiba stand, soll selbst einen Rabbinatsfitz einnehmen, und alt und jung soll auf mein belehrendes Wort lauschen, um darnach zu thun, darnach die Richtung des Lebens zu nehmen. Mann und Weib sollen von mir Bescheid sich holen, um ihr religiöses Gewissen zu beruhigen, jüdische Institutionen soll ich überwachen, verbessern oder schaffen: der Schule, wo die Kindlein mit der Milch der Gotteslehre und dem Honigseim andern Wissens genährt werden, soll ich mein Augenmerk, meine ganze Umsicht schenken, die Friedenspalme in der Gemeinde, immer frisch, grünend und blühend, erhalten, für den Armen und Gedrückten einstehen , und die heiligen Jnteressen der Gemeinde auch nach Außen vertreten — mein Gott, ich danke dir danke dir von ganzem Herzen, daß du mich geführt bis hierher; ich preise dich für alle Entbehrungen, die du mich ertragen ließest, preise dich für den Kumnier, für die Noth, für die ganze Armseligkeit, mit der ich so viele Jahre, nur mit wenig Unterbrechung auf den thalmud. Hochschulen das Leben fristen konnte; viel süßer nnd wohlschmeckender werde ich nun das Brod finden, eiserner wird mein Fleiß, unverdrossener mein Streben, gestählter meine Kraft und Ausdauer sein. Die Erinnerung an meine frühere gedrückte Lage, wird mich vor Stolz und Uebermmh bewahren, die Erinnerung an die Entbeh-