Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 4-5 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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— 181 — vermochte. Aber wie viel er leistete, beweist der erstaunliche Fortgang des Schulwesens unter seiner Leitung. Unsere Real- Und Bürgerschule, die er im Jahre 1806 übernahm, war damals eine ganz niedere Armenschule, unterstützt von einigen Wohlhabenden, kaum ausreichend sür den einfachsten Elementarunterricht. Sie hob stch binnen 25 Jahren zu einer großartigen Anstalt, die aus eigenen Mitteln, blos vom Schulgelde erhalten, eine bedentende Zahl tüchtiger Lehrer und Lehrerinnen erwerben konnte. Zwanzig Jahre später überragte die Anstalt sämmtliche Bürgerschulen der Stadt, welche alle einen hohen Rang ansprechen. Seit den jüngsten zehn Jahren hat sie die Freude zu erleben, daß in der ehemals judenfeindlichen Stadt, wo ein Schn dt schrieb und zahllose Nachbeter die jüdische Gemeinde begeiferten, ja nur selten ein jüdisches Kind in christliche Schulen eintreten konnte, viele christliche Familien ihre Kinder uns anvertrauen, welche etwa ein Viertel unserer Schülerzahl, (die 600 übersteigt), ausmachen. An der Schule arbeiten 22 Lehrer und 6 Lehrerinnen. Heß kämpfte in aller Beziehungen für die freiesten Ansichten in Religion, Politik und Leben. Natürlich fehlte es da auch nicht an Reibungen im Innern einer Gemeinde, die noch nicht so ganz und gar verflacht ist, und vielmehr eine gewisse Charakterfestigkeit anstrebt. Man kennt die Wirkungen ertremer Gegensätze. lieber diese zu sprechen ist hier nicht der Ort. Was Heß als praktischer Berufsmann geleistet hat, steht da in ehrendem Andenken. Wissenschaftliche Werke hat er nicht verfaßt. Eine große Anzahl von Flugschriften beweisen jedoch, daß er mit Geist auszufassen und in die Zeitverhältniffe einzugreifen verstand. Eine genauere Würdigung seiner Leistungen auf diesem Gebiete überlassen wir gerne dem, welcher sein Leben zu schreiben unternehmen wird. vr. I. M. Jost. itus der Sef6|t6iogm|ie eines Jkßötners. Juni 1837. Geschäftig ging es in meinem Vaterhause zu, alle Hände waren rührig, Mutter und Geschwister bestrebt, Alles zu meiner Abreise zu ordnen, und so groß auch der Ernst und die Wehmuth war, die jeden Einzelnen der Familie beschlichen, da ich für immer die thenern Eltern und Geschwister verlassen sollte, so war doch eine wohlbehagliche Freude, ein gewisser Stolz auf jedem Gesichte zu lesen; denn ich ward nach N. als Rabbiner berufen, und sollte nun an meinen Bestimmungsort abgehen. Das war damals noch ein Ereigniß; jung und ledig und doch schon Rabbiner! Auch hatte man damals