Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 3 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 108 — Ritus famt stets erweitert, die Symbole können vermehrt werden. Was in dieser Richtung im Laufe der Zeiten zum Pessach-Kultus hinzngekommen, wie das Absingen des hohen Liedes, der Becher für den unbekannten Gast, ist unschwer zu erkennen. Hieher ist auch das in slavischen und deutschen Gemeinden vorkommende Ei zu zählen, da bei Slaven wie bei Deutschen das Ei Sinnbild des Jungen und Keimenden war (Grimm's Mytholog. an m. O.). Dieser Grund wird jedoch nicht von 476 א״ה) רמא) anerkannt. b) Jedes jüdische Fest wärd aber im Laufe der Zeiten auch ein ז-כר, ein Erinnerungssest für irgend ein wichtiges nationalgeschichtliches Ereigniß. Der Mensch ist nicht nur Mitglied der Natur, sondern auch des engem Kreises der denkenden, handelnden und empfindenden Wesen. In dieser Stellung tritt er der Natur als höheres Wesen entgegen. Die geschichtliche Bedeutung des Festes tritt an ihr unmittelbar heran, drängt die natürliche in den Hintergrund, und gestattet ihr nur wenige Spuren noch in dem Ritus. Beim Pessahfeste ist die Präponderanz der geschichtlichen Bedeutung um so erklärlicher, als die äußern Naturerscheinungen im Frühjahre leicht zum Ausdrucke der nationalen Erinnerungen werden. Der Lenz seiner Geschichte fällt dem Volke mit dem Frühling« in der Natur zusammen, und die Stunde, die seine Freiheit begründet, brachte den gefesselten Erdkräften ihre Erlösung. Alle Vorgänge in der Natur können, ohne die Fantasie anznstrengen, in Beziehungen auf das große Ereigniß der Gründung der Nation, in Anspielungen auf den Auszug aus Egypten verwandelt werden — und der Mensch ist sich^ selber doch immer näher als der leblosen Natur. Zudem rollt die Geschichte immer neue Bilder auf, ihr Gestaltenwechsel ist reicher; neue Ereignisse treten zu den alten, die alle in gleiche Zeit gefallen. So wird die historische Bedeutsamkeit der Feste immer gesteigert, sucht sich neue Formen im Kultus und Ritus, welche nach den Gesetzen der Reproduktion wieder neue Erinnerungen wecken. Es kann daher nicht befremden, wenn dieses Wechselspiel so weit geht, daß man selbst das obengenannte ״Ei" für eine Anspielung auf die Zerstörung Jerusalems erkennen wollte, weil nach jüdischer Kalenderordnung der 9. Ab auf den gleichen Wochentag wie der erste