Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 2 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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9.« und der Geschichte der Schriftanslegung, eine reiche Fülle von belehrenden, anregenden, in manchen Spezialitäten selbst erschöpfenden Partien. Der Wissenschast würde jedoch aus der mit so vieler Liebe und Umsicht gearbeiteten Monografie noch viel größerer Gewinn erwachsen sein, wenn der Vers., der über Peiserer's Quellennachweis weit hinausging, und der die bezüglichen Literaturschätze so nmfichtig auszubenten versteh?, mehr auf die Unterscheidung der verschiedenen Zeiten und Schulen eingegangen wäre. Der Erzvater Abraham wurde zu allen Zeiten verherrlicht. Aber die Verherrlichung der erklufiv-thalmndischen Schulen war eine andere , die der hellenischen und arabischen Religionsfilosofen wieder eine andere. Diese Verschiedenheit, die zuweilen zum Gegensahe wird, hätte scharf hervorgehoben werden müssen. Der zu seiner Reife gelangte Thalmudismus konnte Abraham nicht besser verherrlichen, als indem er denselben das ganze Gesetz vollständig, und ohne jeden Abbruch erfüllen Ließ (Bergt, damit S. 205. Anm. 973). Philo, Josefns und die Korpfäen der arabischen Schule mußten ihn zum Filolosen machen, um einen großen Mann in ihm verehren zu können. Zur wahren, rein religiösen und ethischen Wstrdigung des Ehrfurcht gebietenden biblischen Abrahams, haben stch diese Schulen wegen ihrer mangelhaften, weil nicht geschichtlichen Eregese sammt und sonders nicht erhoben Wenn der verehrte Verfasser der Unterscheidung der von einander abweichenden Richtungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte, würde er auch sonst manche Behauptung weniger allgemein hingestellt haben. So sagt er S. 104, daß der Wunderglaube bei den Lehrern des Zndenthums nie festen Fuß gefaßt hat. Von den Lehrern der thalmudischen Zeit kann dies ganz gewiß nicht behauptet werden. Die Wnnderthäterei und der Glaube daran waren zu jener Zeit an der Tagesordnung. In der franko-germanischen, nachlorianischkabbalist. und polnischen Schule hat der Wunderglaube .ebenfalls sehr festen Fuß gefaßt. Unter den span. Religionsfilosofen wird mau zwischen den Saadianern u. Maimonianern zu unterscheiden haben. Jenen ist das Wunder ein Kriterinm wahrer Profetie; diese leugnen dessen hohe Bedeutsamkeit. Auf die.bekannten Aeußerungen Mendelsohns ist die Maimonidische Theorie wol nicht ohne Einffuß gewesen. Da der verdienstvolle Vers, selbst auf das von uns angedeutete Moment Rückficht nimmt, — s. z. B. die treffende Bemerkung in Betreff des Sohar S. 185. Anm. 736, — wird er dies in der Folge hoffentlich durchgreifender thuu. Seine ״Lebensgemälde", deren Fortsetzung sicherlich jeder Freund jüd. Wissenschaft aufrichtig wünscht, werden dadurch nur an bleibeudem Werthe gewinnen. Die Ausstattung des sehr empfehlenswerthen Buches läßt nichts zu wünschen übrig. Am Todestage Moses Mendelsohn's. 4. Jänner. Von I)r. Moriz Rappoport. Leipzig 1860. \ Das Titelblatt belehrt uns, daß dieses Gedicht bei der von dem Vereine zur Förderung israel. Interessen veranstalteten Mendelsohnsfeier in Leipzig vorgetragen wurde. Der Verfasser, dessen Muse ihre schönsten Blütheu seit Iahren dem Judenthume weiht, bewährt auch in dem vorliegenden Gedichte seine Meisterschaft. Die wunderbare Erhaltung Jsrael's feiernd, und den Grund derselben in der Thora findend, geht er auf die ״Boten" über, die Gott gesandt hat, ״mit des Geistes Vollgewicht", und zu denen er den Helden seines Gedichtes zählt. Mendelsohn's Bedeutsamkeit für sein Volk schildern die Worte: In Nacht und Stumpfsinn war das Volk versunken, Jn's Grab der Ahnen zog es sich zurück; Da naht ein Moses mit den Geistesfunken Als Flammensäule dem erstaunten Blick.