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Ben Chananja · 1860-01-01 · 2 (1860) · p. Seite 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
2 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 91 (sequence 39)
Language
German
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— 91 — wahre Grund liegt in der Erklnstvität des Tempels. Man breche einmal das Monopol (eine Sonderung, die mit dem jetzt auch ans andern Gebieten sich machtig geltend machenden Prinzip freier Konkurrenz schlecht harmonirt), berufe einen zweiten tüchtigen Prediger, bestimme ihm einen Gehalt, mit dem er bei bescheidenen Ansprüchen leben kann, und überlaffe es ihm, durch sein beredetes Work, durch thätige Verwendnng und redlichen Willen sich eine Gemeinde zu kreiren, und man wird sich überzeugen, wie das eigene Interesse, Hand in Hand gehend mit dem der Gemeinde-Mitglieder es bald dahin bringen wird, daß zu dem bereits bestehenden Gotteshause mit geregeltem Gottesdienst noch ein zweites und drittes der bestehenden Gotteshäuser hinzukommen wird, das zur Verherrlichung Gottes und zur Ehre der Gemeinde nicht in minder erhebender Weise wie jenes beitragen und eine große Anzahl Andächtiger an sich ziehen wird. Dem vor wenigen Wochen zu Grabe getragenen Stadtrathe B. D. Frankel ist nun allzu bald auch sein Schwiegervater. Hr. L. G. Bondi, gefolgt. Von ganz armen Eltern geboren, und in Dürftigkeit ausgewachsen, hat es der Mann durch Fleiß und' Thätigkeit und vom Glücke begünstigt, zu einem bedeutenden Vermögen gebracht. Er war erst 59 Jahre alt, und seit einem Jahre Vorsteher des Tempels. Es wird ihm Wohlthätigkeit nachgerühmt. Tarnopol, 24. Dezember 1859. Am 20. d. M., an dem Vorabende des Chanukafestes wurde von den Lehrern und Schülern der hiesigen d. i. Hauptschule ein Fest gefeiert. Es galt der Einweihung eines von den Lehrern dieser Anstalt gestifteten Kreuzervereines, aus dessen theilweise eingelaufenen Zuflüssen und von den Lehrern geleisteten Vorschüssen an jenem Tage 40 arme Schulkinder bekleidet wurden, unter Verausgabung von 160 fl. — Die Glieder des Kreuzervereines sind die Schulkinder selbst, welche wöchentlich ein bis zwei Kreuzer den Klassenlehrern bringen. Alles Uebrige wird von den Lehrern in Freistunden berathen und besorgt. Der Akt war erhebend genug, um diesem gottgefälligen Werke jene Weihe zu geben, die es zu seinem Fortbestände nöthig hat. Es waren dazu mehrere Schulfreunde geladen. Die Feier wurde mit einem Psalme eröffnet, der von dem Chore des mit dieser Anstalt verbundenen Tempels begeisternd gesungen wurde. Hierauf hielt der erste Lehrer, Hr. Emannel Perl, eine Anrede an die Kinder, welche die Bedeutung des Chanukafestes auseinander letzte, und anknüpfend an den Gebrauch, an solchen Festen stets wohlthätige Handlungen p begehen, folgernd erklärte, warum gerade dieser Tag zur Vertheilung der Kleidungsflücke erwählt wurde. Dann deklamirte ein Schüler ein Gedicht, worauf die Kleidungsstücke an Knaben und Mädchen vertheilt wurden. Wie betrübend der Anblick des Hervortretens der abgerissenen halbnackten Kinder war, so erfrischend, wohlthuend und rührend war es zu sehen, wie diese armen Kinder, vor Freude und Glück strahlend, den erhaltenen warmen Rock und die güten Stiesel unterm Arm dankend wegtrugen. Hiedurch zu Thränen bewegt, griffen die wenigen anwesenden Schulfreunde in die Tascheu, und das Resultat ihrer Spende war die Summe von

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