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Ben Chananja · 1860-01-01 · 2 (1860) · p. Seite 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
2 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 90 (sequence 38)
Language
German
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— 90 — der Verwirklichung desselben schon von der Wiederkehr jener glorreichen Zeit träumte, wo es, wie einst in Jerusalem, der heiligen Gottesstadt, nur eilt Heiligthum und einen Hohenpriester gab. Der gesunde und fromme Sinn des bei Weitem großem Theils unserer Gemeinde hat gar bald die Motive durchblickt, die diesem Projekt zu Grunde liegen, und die Gefahr erkannt, die dem Bestände der übrigen acht großen und noch mehreren kleinen Synagogen in der hiesigen Gemeinde aus einem solchen Unternehmen drohete. Als vor mehr als einem Vierteljahrhundert ein Verein höchst achtbarer Männer hier zusammentrat, um auch in Prag nach dem Vorbilde des Wiener Tempels einen den Zeitbedürfniffen und dem geweckten Gemeindebewußtsein entsprechenden Gottesdienst mit Chor und deutscher Predigt einzuführen, wurde als Hauptziel und Nächster Zweck festgehalten, in dem neu zu organifirenden Gotteshause ein Institut zu gründen, das den übrigen Gotteshäusern zum Vorbilde und zur Nachahmung dienen und jungen, den rabbinischen Studien hier obliegenden Theologen Gelegenheit bieten sollte, ihre Kraft zu versuchen, und ein Tirocinium durchzumachen, das ihre Befähigung zum Rabbiner- und Predigeramte außer Zweifel setzte. Es wäre ein solches Institut eine heilsame Pflanzschule geworden, aus der größere und kleinere Gemeinden sich die geeigneten Männer für Gotteshaus und Schule geholt hätten, und Prag wäre wieder das geworden, was einst den Ruf dieser Gemeinde nach allen Enden der Welt verbreitet hat, eine עיר ואס כישראל* Fünf und zwanzig Jahre find nun seitdem verstrichen; und erstaunt fragt man: wo sind die gehofften Früchte? haben sich die gehegten schönen Er- Wartungen verwirklicht? Ist es während dieser langen Zeit auch nur einem der vielen Rabbinatskandidaten, die hier lebten, und von denen Viele schon in ausgezeichneter Weise in Amt und Würde wirken, und ihren Gemeinden zür Zierde dienen, gestattet gewesen, auch nur einmal eine Probepredigt zu halten; obschon der größere Theil der Sabbate und Festtage des Jahres vergeht, ohne daß ein Wort der Belehrung vernommen wird? Hat es nicht den Anschein, als wäre es kleinliche Rivalität, die befangen von dem יני לאפסי עוד& die Stätte für entweiht hielte, die ein Anderer betritt, und jedem, sei es auch den Berufensten ein Procul este profani zuruft? Noch ist es keiner andern׳ Synagoge hier gelungen, den Gottesdienst nach dem Muster des sich hier als Metropolitansynägoge gerirenden Tempels zu gestalten, so oft man auch den Anlauf dazu genommen, und ernstliche Versuche angestetlt hat. Liegt der Grund dieser höchst auffallenden Erscheinung etwa in einer Indifferenz der hiesigen Gemeindemitglieder, in mangelndem Jntereffd an einem würdevollen Gottesdienst? an öffentlicher Belehrung? Gewiß nicht; erkennt doch der Vorstand und Beirath des Tempelvereines in seinen! Aufrufe es selbst an, daß die allgemeine Theilnahme für einen derartigen Gottesdienst von Jahr zu Jahr in der Art zugenommen, daß die Räutne des Gotreshauses nicht mehr hinreichen, um die Zahl der andächtigen Besucher zu fasfen, und daß beim besten Willen Vielen der Zutritt versagt werden müsse. Der

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