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Ben Chananja · 1860-01-01 · 2 (1860) · p. Seite 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
2 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 87 (sequence 35)
Language
German
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— 87 — einmal alten Schülern möglich werden, mehr als den Pentateuch zu übersetzen — wenn es einzelnen, besonders begünstigten Schulanstalten möglich wird, mehr zu leisten, so sind sie als Ausnahmen zu betrachten. Und nun frage man den aus der Schule tretenden Schüler, was unter Unsterblichkeit der Seele, Messiasreich, Offenbarung u. s. w. zu denken sei, er wird keine Rechenschaft geben können, also über Punkte unwissend oder unklar sein, die gegenwärtig keinem Israeliten fremd sein sollten. Auch die deutsche Lektüre anderer biblischer Schriften dürsten keine gründlichen und klaren Religionsbegriffe vermitteln, weil diese Lektüre zu flüchtig von Statten ginge, die Situation zu rasch wechselte, keinen tiefem Eindruck znrückließe; ein längeres, eingehenderes Verweilen aber, ein statarisches Lesen (wobei, was vielleicht Hr. Szantö beabsichtiget, die biblischen Erzählungen, die religiöse Anschauung bieten, aus denen erst durch Abstraktion die Begriffe und Lehren sich hervorbilden, zur Entwickelung der ewigen Ideen dienen, deren Hüllen sie sind, und ans deren didaktischen und profetischen Theilen die Dogmen und Morallehren erörtert werden), eine solche Lehrweise wäre aber nichts anderes als katechetischer Religionsunterricht, nur ein planloser, ungeordneter, ein in Ungewißheit lassender, ob die Haupt- Momente, die wesentlichen Lehren dem Kinde mitgetheilt oder übergangen worden, da die Mittheilung der Religionslehre zufällig nach den gelesenen Bibelabschnitten erfolgen, die ganze Bibel aber — als der Inbegriff aller Lehren — unmöglich in allen Schulen statarisch dnrchgenommen werden kann, weil die nothwendigen historischen, chronologischen, archäologischen und sachlichen Erläuterungen zu umfänglich sind, und die Fassungskraft der Schüler übersteigen. Ob nun ein solcher ordnnngsloser Bibelunterricht besser, anschaulicher, überzeugungskräftiger sei, als ein Unterricht nach sachgemäßer Zusammenfassung, nach logischer Aneinanderreihung der religiösen Fundamentallehren zu einem bündigen Ganzen, ob er das Gemüth eindringlicher und fester, erfasse dem Gedächtnisse eine kräftigere Stütze gewähre, ist unschwer zu erkennen. Auch der Zeitgemäßheit des Religionsunterrichtes, der Rücksichtnahme auf die religiösen Forderungen, auf die Fehler, Gebrechen, die Denkungsart und die Bestrebungen der Zeit, der Vermittlung der Religions-Wahrheiten mit der Erkeuntniß-, Wissenö- und Bedürfnißstufe der Gegenwart, dürfte beim Gebrauche eines Lehrbuches weit besser als bei alleiniger Zugrundelegung der Bibel gebührende Rechnung getragen werden. Endlich ist noch der nicht unbedeuteude Umstand zu erwähnen, dqß das Lehrbuch bei ein und demselben Schüler bis zur vollendeten religiösen Bildung angewendet werden soll, der Lehrer aber oft von einer Schule zur andern versetzt wird, und der Nachfolger ohne ein solches nicht wüßte, wie weit seine Schüler gekommen, welche religiösen Begriffe beim Bibelnnterrichte gründlich oder überhaupt erörtert wurden. Auch ist zu berücksichtigen, daß oft Rabbiner oder ein zweiter Lehrer dem Religionslehrer in Ertheilung des Religions- Unterrichtes zur Seite stehen und sohin wissen müssen, was bereits vorgekommen, daß Eltern beim Gebrauche eines Leitfadens bessere Nachhilfe leisten können, daß der Schüler hierbei sich auf die Lektion vorbereiten könne, da- 6*

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