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Ben Chananja · 1860-01-01 · 2 (1860) · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
2 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 88 (sequence 36)
Language
German
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— 88 — Erklärtwerdende übersehen und sich einprägen könne, daß der Gebrauch eines Lehrbuches bessere Gewährleistung liefere, daß der zu ertheilende Uuterricht dem Geiste und den Anforderungen der israel. Religion entspreche, und daß er alle wässerigen, oft auch wegen Unwissenheit der Lehrer unrichtigen Ausschweifungen abscheidet. (Siehe mein ״Ueber Sabbat- und Feierragsschülen und deren Einrichtung. Fulda S. 25)." Leo Jeiteles sagt nun zwar (B. CH. 2, 22 ff.) ״die Religion kann nicht durch systemat., sormulirtc Lehrsätze, sondern nur durch eine anschauliche plastische Darstellung in voller Kraft und Klarheit vor die Seele und in die Herzen geleitet werden, und eine solche plastische Darstellung bietet in unübertrefflicher Weise das Gottesbuch, die heil. Schrift Israels. Sie ist unser einziges Religionsbuch, sie selbst ist es, nicht dürftige Auszüge, die aus ihr gemacht werden." Allerdings! Ein dürftiger Auszug taugt nichts, aber auch das heil. Gottesbuch ist kein Schulbuch, wol aber kann, wie Tausende von Beispielen innerhalb und außerhalb Israels beweisen, durch ein nach methodischen Grundsätzen bearbeitetes Lehrbuch sehr wol Religion in die Schülerherzen verpflanzt werden. / Wir legen ja unserem mathematischen Elementarunterrichte nicht den Euklid, unserem Geschichts-Unterrichte nicht Chroniken und Dokumente zu Grunde; wir nehmen bei keinem Lehrzweige Quellenschriften zur Hand, warum sollte nun der Religionsunterricht nur unter Zugrundelegung der Quelle ertheilt werden dürfen, der zarten Jugend, die noch Milch zur Nahrung bedarf, und der kräftigen Speisen ungewohnt ist, Männerkost geboten werden müssen? Sollte der Salomonische Ausdruck: ״Lehre den Knaben nach feiner Weise" nur auf die Form und nicht auf den Stoff Bezug haben? Weil das Gottesbuch eine plastische Darstellung bietet? Eine plastische Darstellung bietet es nur bei seinen Erzählungen, und diese werden neben dem systematischen Religionsunterrichte in jeder jüd. Schule gelehrt. Die didaktischen Bibelstellen sind um keinen Pinselstrich plastischer, als die eines jeden Lehrbuches, ״daß aber durch formnlirte Lehrsätze die Religion nicht gelehrt werden könne" — wer erinnert sich hier nicht des platonischen Lehrsatzes von der Lehrbarkeit der Tugend — darüber ist uns Hr. Jeiteles den psychologischen Beweis schuldig geblieben. Ich glaube vielmehr im Einklänge mit der Psychologie behaupten zu können: Formulirte Lehrsätze find ein Erleichterungsmittel für das Gedächtntß und Erleuchtnngsmittel für den Verstand, sie verschaffen religiöse Begriffe und Vorstellungen, diese aber bringen Empfindungen und Triebe, und dadurch begründete Gesinnungen und tiefere religiöse Stimmung hervor. Die Grundlage der Religion, die religiöse Stimmung und Gesinnung kann allerdings nicht in die Seele hineingelehrt, sie kann nur hervorgerufen, erzeugt werden. (Man sehe vr. Gregor's ״Volksschulfreund" von 1849, S. 6.) Denn der Mensch kommt nicht mit einem bestimmten Glaubens-Inhalte, mit einer bestimmten Summe von Gesinnungen zur Welt, sondern nur mit den Ahnungen einer höhern Welt, mit den Spannungen der Seele nach Einklang mit ihr; religiöse Gefinnungen und Grundsätze erzeugen fich erst durch das Zusammenwirken des

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