Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 2 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 62 fasser dieses Buches, wie er selbst versichert, die alten Schriften mit Aufmerksamkeit las, uud mit dem Inhalte derselben ohne Zweifel genau vertraut war, wird eS begreiflich, daß er bei seiner Tendenz, über wichtige Bauten in Jerusalem Profetische Sprüche zusammen zu stellen, um seinem weiter unten zu nennenden Helden ein wohlverdientes Denkmal zu errichten, der Fortsetzung des Tempelbaues unter Darius einen eigenen Ausspruch widmet. Hatteu ja auch die Lippen der gleichzeitigen Profeten überströmt von der folgereichen Bedeutsamkeit dieses Ereignisses! — Es dürfte sogar die Vermuthnug nicht ungegründet erscheinen, daß der von den Profeten gefeierte Tag der neuen Grundsteinlegung auch künftigen Geschlechtern ein Tag froher nationaler Erinnerung geblieben sei. Mindestens erklärt sich hieraus am leichtesten, weshalb die Syrer, die schon am 15. Kislev (167) einen Götzenaltar im Jerusalemischen Tempel errichtet hatten, erst am 25. desselben Monates auf demselben opferten (1 Makk. 1, 54. 59.). Es lag hierin eine absichtliche Verhöhnung der nationalen Gefühle und Reminiszenzen. Da die Grundsteinlegung am 24. Kislev großen Jubel und noch größere Hoffnungen hervorgerufen hatte, so mochte der darauf folgende Abend einen festlichen Tag eingeleitet haben. Die Wiederkehr des 25. Kislev mußte immer wieder von Neuem firtlen Motive» auch noch ei» besonderes, bisher noch nicht entdecktes Motiv zu Grunde. Das Heiligthum des Zoroastrischen Kultus bestand nämlich aus einem unter freiem Himmel stehenden, mit Mauern umgebene» Altäre, auf welchem das heilige Feuer brannte; andere Tempel gab cs nicht. An die perfische Antipathie gegen Tempel hat Dr. Zipfer erst vor Kurzem erinnert (S. oben S. 12). Es fragt sich also, ob nicht das Beispiel der herrschenden Perser mit dazu beigetragen habe, den Tempelbau in dem beherrschten Judäa zu verzögern. Der persische Hof war allerdings für die Erbaunng des Heiligthums in Jerusalem gewonnen worden: die Konzession zum Baue war ertheilt. Gleichwol mögen Manche geneigt gewesen sein, es nach dem Vorbilde der Perscr bei einem Altäre bewenden zu lassen: und ein solcher war seit Cyrus vor- Händen! Solchergestalt implizirtc die Fortsetzung des Baues den Sieg des nationellen Kultes über den Einfluß des persischen Beispiels. Hieraus würde sich die auffallende Erscheinung erklären, daß in dem uns erhaltenen biblischen Schristenthume der Anfang des Tempelbaues viel bedeutsamer erscheint als dessen Beendigung.