Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 1 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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— 40 Durchlesung Sie vielleicht zweifelnd das Datum Nachsehen werden, ob es denn nicht statt Breslau: Wilna oder Warschau heißen soll. Doch beruhigen Sie sich, es heißt wirklich Breslau, und die Thatsache ist ganz einfach die, daß der Rabbiner der Gemeinde Breslau, der zweiten Hauptstadt des gebildetsten dentschen Staates, vor Kurzem seinen 13, sage dreizehnjährigen Sohn mit einem nicht viel älteren Mädchen ans Warschau verlobt hat, und wahrscheinlich auch bald verheiraten wird. Es ist unnöthig, diese die Breslauer Juden entehrende und der deutschen Gesittung geradezu in's Gesicht schlagende verrätherische Handlung eines Rabbiners weiter zu charakterisiren und in ihren Konsequenzen zu verfolgen. Die That verurtheilt uns — nicht sich selbst. 4. Briefe ans Böhmen. V. Leider muß ich heute mit Trauerkunden beginnen. Der Verlust, den die böhmische Judenschast durch den Tod I. H. Taußig's und D. B. Frankl's erlitten, wird allenthalben tief empfunden. Die allgemeine Kundgebung eines nur zu gerechten Schmerzes beweist, daß unser Volk seine trefflichen Männer zu schätzen und zu ehren versteht, daß es den Verdiensten derselben den gebührenden Dank zollt, und daß es sich von der Anerkennung gehoben fühlt, welche ihnen zu Theil geworden. Ihr Andenken wird gesegnet bleiben, von Geschlecht zu Geschlecht! — Viel Theilnahme erregt auch das leider anhaltende Siechthum des allgemein verehrten Rabb. Daniel Frank in Kollin. Möge ihm recht bald vollständige Genesung zu Theil werden! Und nun zu erfreulichern Mittheilungen. In den kleinen, im Entstehen begriffenen Gemeinden herrscht ein reges Leben. Ueberall gibt sich das fromme Streben kund, die erforderlichen, religiösen Institutionen in's Leben zu rufen, und dieselben auf eine zeitgemäße Weise einzurichten. Die Opferwilligkeit, welche sich in dieser Beziehung offenbart, entkräftet die Klage gereizter Gemüther über Jndifferenlismus und kalte Gleichgiltigkeit, und erfüllt den aufrichtigen, klar sehenden Freund unserer heiligen Religion mit den schönsten Hoffnungen. Von Spezialitäten erwähne ich heute nur, daß die kleine Gemeinde zu Planian ihren Synagogenbau bereits vollendet hat, und daß in dem Dorfe Mallin nächst Kollin, eine Synagoge gebaut wird. Lobenswerthen Eifer in der zeitgemäßen und würdevollen Einrichtung ihres Gottesdienstes und in der Hebung des Schulwesens entwickelt auch die kleine Gemeinde zu Daud leb nächst Reichenau. Nur vorwärts, theure Brüder! Vorwärts sei unsere Losung, vorwärts unser Ehanukagruß! Das herrliche Vorbild der großen Hasmonäer: Lehr' Israel kämpfend schwingen Hellen Geistes blitzend Schwert, Lehr' Israel vorwärts dringen Kämpfend für des Glaubens Herd. Wie die Flämmlein lustig flackern Täglich wachsend au der Zahl Wachs' in jeder biedern, wackern Judenbrust des Glaubens Strahl! Hone, am Chanucka 5620. Rabb. Dr. Ehrentheil.