Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 1 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 39 — Macht des Familienlebens blickt, der wird aber auch anerkennen, daß die Heranbildung der künftigen Mütter die höchste Bedeutsamkeit für Zivilisation des Menschengeschlechtes, wie für die Wahrung nationaler und religiöser Intereffen habe. Zn dem hat aber eine Präparandie für Gouvernanten noch eine andere Bedeutung, da der direktivmäßige Lehrstoff mit dem einer höhern Töchterschnle ganz identisch ist. Es ist daher zu erwarten, daß die Szäntü'sche Präparandie nicht nur von eigentlich Bestiffenen des Lehrberufes besucht, sondern selbst von solchen Eltern beschickt werden wird, die, wie es häufig der Fall ist, in der Lage find, ihre der Schule bereits entwachsenen Töchter zur höheren Ausbildung und zur Vorbereitung für ihren Beruf als Mütter und Hausfrauen in der Residenz für einige Zeit unterzubringen. Aber an einer solchen höhern Töchterschule für jüdische Töchter mangelte es uns bisher ebenso wie an einer Präparandie. Wir haben also doppelte Ursache uns jener ministeriellen Konzession zu freuen und die Leser des B. CH. hierauf aufmerksam zu machen. Breslau, den 22. Dezember. Ein Vorfall, der sich in diesen Tagen hier ereignete, macht viel von sich reden und beschäftigt die Presse sehr lebhaft. Auf dem Breslauer Kreistage, der sich wie gewöhnlich um diese Zeit hier versammelte, um die Kreisangelegenheiten zu berathen, sollten nun zum ersten Male die seit dem bekannten Reskripte des Ministers Flottwell zu den Kreistagen zugelaffenen jüdischen Ritterguts-Besitzer erschienen. Der Landrath v. Ende lud der ministeriellen Verordnung gemäß die jüd. Rittergutsbesitzer Werther, L. S. Cohn und Boas amtlich zur Sitzung ein, und zeigte dies den christlichen Mitgliedern des Kreistages mit dem Bemerken an, daß ihm selbst die Verordnung des Ministers unangenehm sei, daß er sie aber als Beamter ausführen müsse. Als die genannten drei Herren erschienen, verlas der berüchtigte Graf Saurma-Feltsch, derselbe, der in einer Landtagsfitzuug die Abschaffung der Verfaffung forderte, einen Antrag, daß man jedem jüdischen Rittergutsbesitzer zwei Friedrichsdor aus der Kreiskasse verabreiche, damit er von der Sitzung wegbleibe. Aus diese Beschimpfung hin wollte einer der drei Herren antworten, der Landrath aber gestattete ihm dieß nicht, und somit ist die Sache dem Staatsanwalte übergeben worden. Es handelt sich hiebei nicht blos um die Beschimpfung der Juden, sondern auch um die Auflehnung gegen ministerielle Befehle. Die Presse hat natürlich die Partei der Inden ergriffen und die ״Breslauer Ztg." deckt in einem scharfen Leitartikel das Gebühren der adelsstolzen Junker auf. Der auch in weiten Kreisen durch mehrere, freilich schon ziemlich vergessene Schriften bekannte Literat und Rentier, M. B. Friedenthal, starb in der vergangenen Woche im hohen Alter, und mit der Hinterlassung eines sehr bedeutenden Vermögens. Man spricht von einer halben Million Rthlr- Seiner letztwitligen Anordnung gemäß durften weder vr. Geiger, noch der Rabb. Tiktin, die Leichenrede halten. Diese wurde dem Rabb. Deutsch aus Sorau und dem Rabbinats-Affeffor Feder hier übertragen. Ad vocem Tiktin will ich Ihnen eine Nachricht mittheileu, bei deren