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Ben Chananja · 1860-01-01 · 1 (1860) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
1 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
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— 30 ich keinem Einflüsse vött Außen her, auch nicht etwa der Anregung, irgend Jemand einen freundschaftlichen Dienst zu leisten, sondern einzig und allein dem Eindrücke, den die Rede auf mich gemacht hat. Sie ist eine, gedruckte Schrift, und fordert von selbst das Urtheil jedes denkenden Lesers heraus. Ihr Abdruck muß ja. außer der Wohlthätigkeit, auch einen moralischen Zweck haben; dieser kann kein anderer sein, als durch ihren Inhalt Wahrheiten zu verbreiten, oder durch ihre Form ein gelungenes Muster aufzustellen, namentlieh in einem Lande, wo es in Bezug auf jüdische Homiletik darau noch sehr mangelt. Jedem, nach wahren Fortschritt Strebenden (ich rede hier nicht von Fortschritt in Religions-Erkenntniß und Uebung, worin die Parteien sich zerklüften, sondern von dem der allgemeinen Bildung und des guten Geschmackes) muß es erwünscht sein, ein öffentliches, genügend vertretenes Urtheil darüber zu vernehmen. Freilich lehrt die tägliche Erfahrung, daß gerade Diejenigen, welche fortwährend Freiheit der Rede stürmisch fordern, von derselben sich verletzt fühlen, sobald sich solche in einem andern Sinne äußert, als ihnen beliebt. Aber gerade an dieser kindischen Empfindlichkeit sollten sie erkennen, daß sie noch nicht auf der rechten Bildungsstufe stehen, und das, was ihnen widerstrebt, mit Besonnenheit prüfen. Das Zürnen und Toben kann ja doch ein wohlbegründetes Urtheil nicht entkräften. Das von mir Ausgesprochene ist keineswegs mein eigenes allein, obwol einige oberflächliche Lobhudeleien, die man zu Dutzenden erlangen kann, mit demselben nicht überinstimmen. Ich habe nur das niedergeschrieben, was alle klar denkenden und unbefangen auffaffeuden Leser bestätigen müssen. Die Belege sind ja nachgewiesen. Wir haben auch das Verdienst des Redners nicht zu schmälern gesucht. Im Gegentheile, wir müssen seinem Vort-rage alle Gerechtigkeit widerfahren lassen, wenn derselbe durch diese Rede, wie sie gedruckt vorliegt, im Stande war, eine gebildete Gemeinde zu begeistern. Das wäre der Gipfel der Kunst. Aber dann wäre es klug gewesen, die Rede nicht durch den Druck zu verbreiten. Der ruhige Leser vermißt ja offenbar die Einwirkung der Mimik und das Pathos der Stimme, wie der Feierlichkeit des Ortes und der Zeit! — Man erzählt von einem Redner, welcher einmal das bloße ABC so vorgetragen habe, daß alte Zuhörer in Thränen zerflossen; ich glaube es fast, — aber die gedruckten ABC. Bücher rühren das Herz nicht, außer etwa durch auftauchende Erinnerungen an die Wirkungen der Ruthe! Wie können die gereizten Gegner von skandalöser Polemik reden, da, wo sie besser thäteu, zu zeigen, in welchen Punkten das Nrtheil verfehlt sei? Sie sitzen ja an der Quelle und können sich darüber belehren lassen*). Es gäbe ja keine würdigere Weise, ein ungerechtes Urtheil zurückzuschlagen, als eine einfache Darlegung der begangenen Mißgriffe. Ich wäre der Erste, meine VUiQaben zu widerrufen und der Wahrheit die Ehre zu geben. Wo ist *) Das Geschäft der Belehrung hat Hr. Landau übernommen. Red.

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