Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 1 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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— 29 — des in allen Gebieten des staatlichen Lebens in Knnst, Wissenschaft, Industrie und Agrikultur seit den letzten drei Dezennien trotz der mancherlei drückenden Beschränkungen gemacht, und daran die Hoffnung geknüpft hatte, daß bei der nunmehr von Sr. Majestät in stchere Aussicht gestellten Regelung der bürgerlichen und politischen Verhältnisse der mosaischen Glaubensgenossen auch die letzten noch bestehenden Schranken fallen würden, erwiderte der Herr Minister, daß die Anfgabe zu deren Lösung ihn das Vertrauen seines Herrn und Kaiser berufen, zwar nicht leicht, und manche Vorurtheile und Hindernisse zu bekämpfen seien, aber diese Hindernisse seien nicht unüberwindlich. Er könne seiner Ansicht nach kein Judengesetz billigen; denn ein solches Gesetz hieße eine ganze Nation an den Pranger stellen; es werde die betreffende Angelegenheit im Verorduungswege geregelt werden. Es können in Oesterreich keine Gruppirungen bestehen; eben so wenig ein National-Separatismus, wie Religions-Gruppirnngen. Altes muß verschmelzen um im Staate gemeinschaftlich zu wirken. ״Wir müssen uns brüderlich die Hand reichen, damit wir mit vereinten Kräften zusammenwirken, damit wir uns dem Allgemeinen nützlich machen." Es seien viele Reformen vorzunehmen, viele, zu denen die Zeit sehr drängt, die Angelegenheit der Juden könne daher nicht in so kurzer Zeit erledigt werden, als man vielleicht vermuthe, aber sie werde gewiß nicht der letzte sein. ״Seien Sie", schloß er seine Rede, ״ehrlich und aufrichtig, und halten Sie fest an Ihrem Kaiser, der wirklich sehr gut ist. Ich gebe Ihnen die heilige Verfichernng, daß ich es wirklich ehrlich und aufrichtig mit Ihnen meine." Den gewaltigen Eindruck dieser Worte auf die Gemüther der Abgeordneten mögen Sie selbst ermessen. Frankfurt a. M. 25. Nov. 1959. Herrn Oberrabtiiner L. Löu> Lhrwürden in Szegedin. Verehrter Freund! Ihre gefällige Mittheilung vom 21. d. betreffend eine Bewegung, welche meine Beurtheilnng der Meisel'schen Antrittspredigt in Pesth veranlaßt habe, durste mich nicht überraschen. Die vieljährige Wirksamkeit auf dem Gebiete der Bildung unserer Glaubensbrüder hat mir genügende Erfahrungen eingebracht, so daß ich mich nicht über die Wiederkehr der Erscheinungen wundere, welche von jeher bald hier bald da auftauchen, um die Männer von Charakter zu schrecken, die es wagen, dem Fortwuchern alter Uehel, besonders, wenn sie von Männern eines höheren Berufes, Gott weiß aus welchen Gründen, offenbar gegen ihre bessere Ueberzeugung noch genährt und gepflegt werden, ein Ziel zu setzen. Um Verkennung meiner reinen Absichten habe ich niemals mich bekümmert; sie ist denen sehr wohl zu verzeihen, die lediglich in Parteihader wahre Thätigkeit suchen, und in Allem, was Andere thun, nichts als Parteibestrebungen sehen wollen, von denen ich gänzlich fern bin. Wenn ich der Aufforderung über jene Rede ein Urtheil ausznsprechen nachkam, so folgte