Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 1 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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25 — Mag es Länder und Zeiten gegeben haben und noch geben, wo der systematische Religionsunterricht den Juden unbekannt war und ist, in Deutschland und bei den jüdisch-deutschen Zuständen hat ihn die Geschichte als ein nunmehr unveräußerliches Vermächmiß übermittelt, und zur unerläßlichen Noth- Wendigkeit gemacht. Ehedem unterwarf das jüdische Individuum sich ohne weiters den Religions-Vorschriften und den Anordnungen der Synagoge, und fand in ihr auch seine volle Befriedigung. Heutzutage haben Religion und Synagoge ihre Berechtigung in der Totalität der Individuen erst logisch und rationell nachzuweisen. Früher bedurfte es eines besonderu fremden Einflusses, wenn das Jndividinm der religiösen und synagogalen Gemeinschaft entzogen werden sollte, heute aber des kräftigen Synagogen- und Schuleinflusses, wenn es ihr erzogen werden soll, woraus die Notwendigkeit eines diesen Verhältnissen Rechnung tragenden Religisns-Unterrichtes ohne weitere Auseinandersetzung von selbst resultirt. Dazu kommt, daß die reiche, geschichtliche Entwickelung, die für die Christen seit den Kreuzzügen bis zur nächsten Gegenwart vor sich ging, auf das Judenthum im Allgemeinen, das bekanntlich von Außen in die beengendsten Schranken gehalten wurde, keinen Einfluß übte — sein Leben während dieser Zeit glich mehr dem des Mooses, das sich in den Felsen einzwängt, um nicht vom Sturme entwurzelt zu werden — daß sich aber diese Entwickelung bei den Juden seit diesem Jahrhunderte urplötzlich derart geltend machte, und in einzelnen Ländern noch derart geltend macht, daß die heilloseste Verwirrung, ja die Auflösung der jüdischen Religions-Begriffe nothwendig eintreten müßte, wenn ihm nicht ein homöopatisches Gegenmittel geboten, wenn der - Skepsis, dem Missions-Unwesen und einer judcnfeindlichen Literatur durch einen gründlichen, logischen Religionsunterricht nicht die Spitze abgebrochen würde. ׳ Und wie der Gegensatz, in dem sich Israel gegen die Bekenner eines andern Glaubens befindet, so fordert auch der Gegensatz der religiösen Anschauung, der unter den Gliedern eines und desselben Hauses stattfindet, das (nicht durch den starren Bibelbuchstaben, sondern durch das vom Religionsbuche Dargebotene), vermittelnde, ausgleichende, bekräftigende, ermunternde Wort des Lehrers in Schule und Synagoge. Wer kennt nicht die Erscheinung, daß der Vater seiner Anschauung nach noch um ein Jahrhundert zurück ist, während die Kinder mit allen Fasern ihres Herzens der Gegenwart angehören? Der Varer, der ehedem gar keine Ahnung davon hatte, wie man ohne diese oder jene religiöse Institution leben könne, sieht heute seinen eigenen Sohn, wie er derselben ganz entfremdet ist. Er sträubt sich gegen diese Anschauung, donnert gegen die gottlose Zeit, kann sich aber der allmälig auch ihn erfassenden Skepsis selbst nicht erwehren nnd zu alt und zu geistesschwach um sich in ihr znrechk zu finde«, gibt er sich dem äußersten Ceremoniett hin, und klammert sich so an abergläubige und zeremonielle Handlungen, welche von jeher die Synagoge von sich wies, oder denen sie doch nur einen untergeordnelen Rang einräumt. Wer kennt nicht solche Männer, die innerlich in dem kras-