Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 1 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 — Antlitz wendet. Die Synagogen werden daher so erbaut, daß die heilige Lade, wohin sich die Gemeinde beim Gebete wendet, gegen Osten liegt. Durch diese Sitte wird aber nicht selten ein beahsichtigter und wünschenswerther Synagogenban verhindert. Man findet, besonders in größeren Städten, nicht immer einen Bauplatz, auf welchem die Fronte oder der Eingang in die Synagoge gegen Westen, und das Aron Ha-Kodesch gegen Osten angebracht werden könnten. An manchen Orten werden die schönsten jüdischen Gottes- Häuser durch die für nothwendig erachtete Lage auf eine sehr unästhetische Weise entstellt. Das herrlich verzierte Portale befindet stch in irgend einem Seitengäßchen, während der freien Straße eine Mauer zugewendet ist, welche sich kaum als Theil eines Gotteshauses zu erkennen gibt! Es sind Fälle bekannt, daß Gemeinden einen nothwendigen Synagogenbau unterließen, weil stch zu der eben erwähnten Entstellung auch noch die gesellt hätte, daß der Raum zwischen Ost und West die Breite, der zwischen Nord und Süd aber die Länge gebildet haben würde, so daß der Raum des Schiffes zwischen dem Eingänge und der heiligen Lade nur der Hälfte des Raumes zwischen der Nord- und Südwand gleichgekommen wäre! Es fragt sich nun, ob die herkömmliche Lage der Synagogen absolut gesetzlich nothwendig sei, oder ob dieselbe, wo es die Umstände fordern, einer Modifikation unterzogen werden dürfte. Wir wollen dies vom geschichtlichen und thalmudisch-gesetzlichen Standpunkte zu erörtern versuchen. I. In der vormosaischen Zeit findet sich trotz der vorgeschrittenen Baukunst mancher alter Völker keine Spur von Tempeln im heutigen Sinne, wiewol die Anbetung Gottes in die vorsündfluthliche Zeit zurückzugehen scheint (1 M. 4, 26.). Die Gottes- oder Götterverehrung äußerte sich in dieser Rücksicht blos durch Errichtung von Anhöhen, Altären, Stand- und Bildsäulen. Man opferte im Freien, auf Bergen, im Schatten geheiligter Haine. Die Sage hat stch auch hier schöpferisch gezeigt. Maimonides spricht von Tempeln aus der Zeit Enosch's (Ackum 1, 1.). Die arabische