Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 12 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 577 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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— 577 — Ciferftrifcfje Anzeigen. 0attftnmnt. Betrachtungen über die fünf Bücher Mosis, nach Ordnung der Wochenabschnitte. Von vr. A. Schmied!, Rabb. zu Proßnitz, Mitglied der d. m. Gesellschaft zn Leipzig und Halle. Prag, Pascheles, 1859. 8. XII. 288. Besprochen von Dr. Adolf Ehrentheil, Rabb. zu Hone. Vorliegendes Buch bietet manches erbauliche Lesestück, manche geistreiche Eregese, manche zeitgemäße Betrachtung. Die Sprache ist meist schön und blühend. Der Verfasser hat durch diese Betrachtungen in Rücksicht auf homiletische Gewandtheit und Benützung des Bibeltertes den Ruf vollkommen gerechtfertiget, welchen er sich als Kanzelredner erworben hat. Doch hätte der verdienstvolle Vers, nach unserm Bedünken die kritische Feile vorsichtiger handhaben können; mancher dürre Zweig wäre von den Sanstnnim besser weggeblieben. Schon in dem Gedichtchen, welches am Eingänge des Buches gleichsam als Widmung dasteht, ist uns der Vers ״die jeden Menschen Gleich ni ß Gottes nennt" als sprachliches Kuriosum ausgefallen*). Das Gedichtchen enthält auch eine Reihe von Lizenzen gegen die Metrik, die schwerlich allgemein gebilligt werden dürften. Mtt den ״säuselnden Weihrauchwolken." S. 103 kö-nnen wir uns keinesfalls einverstanden erklären. ״Warme Flamme" S. 114 ist ein Pleonasmus. Die Vergleichung: ״so lange das Kleid sowie das Herz wol ein reines und fleckenloses; aber auch ein schlichtes, kunst- und anspruchloses war . . ." ist sehr mißlungen, da die Reinheit des Herzens die später genannten Eigenschaften involvirt. Höchst abenteuerlich scheint uns daselbst die Behauptung, daß in dem Herzen Adam und Ena, nachdem dieselben von der verbotenen Frucht gegessen hatten, ״gewiß auch der Wunsch nach schönen Gewändern erwachte!" Der Verfasser beruft sich auf 1 M. 3, 7.: ״Und sie hefteten sich Feigenblätter und machten sich Schürzen"; aber die Berufung ist ohne Zweifel nicht stichhaltig. Die Aeußerung der Schamhaftigkeit darf mit dem Hange zum Lnrus nicht verwechselt werden. Sehr verdienstlich ist die Apologie für die hebräische Sprache (232—238). Möge sie bei recht vielen Vätern Anklang und Beherzigung finden! Doch werden wol die meisten Mitglieder der deutschen morgenländischen Gesellschaft schwerlich die Behauptung unterschreiben, daß die hebr. Sprache ״die Mutter alter Sprachen" ist. Wozu solche Uebertreibnngen? Höchst originell ist die Erklärung: "מות וחיים ביד לשון• Tod und Leben ist in ihrer Hand; sie ist todt und hat doch das Leben in ihrer Hand!" Sehr gezwungen ist auch die exegetische Beweisführung gegen das Plagiat (251). Wir wünschen in den künftigen Erbauungsschriften des Verfassers mehr Korrektheit im Ansdrucke, weniger Freiheit in der Eregese und vor Allem — weniger Allegorie zu finden. Doch verdient das mit iüeler Liebe gearbeitete, von Seiten des Verlegers schön ausgestattete Buch die weiteste Verbreitung. *) Unser wackerer Mitarbeiter scheint den altern Sprachgebrauch nicht beachtet zn haben. Bnnsen folgt diesem Sprachgebräuche: 1. M. 2, 26. Red.