Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 12 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 575 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 575 dem Fortschritte huldigende, sie standen sich feindlich gegenüber, und doch hatten beide Parteien alle Institute und alle Funktionärs einer jüdischen Kultusgemeinde, jetzt sind sie vereinigt, die Gemeinde ist quantitativ bedeutend größer als früher beide Gemeinden zusammen, und nehmen den Ausweg zu einem zweiten Lehrer, der die הולאה versehen soll, um bei einem vorkommenden Trauungsakte nicht genöthigt zu sein, einen Kopulanten aus einer andern Gemeinde kommen zu lassen. Ob Sparsamkeit oder Judifferentismus oder sonstige Gegenwirkungen die Schuld tragen, daß die Kultusgemeinde als solche nicht würdiger dasteht, ist unsere Sache nicht zu erörtern; wir wollen als Berichterstatter blos das Bild der kroatischen Kultusgemeiuden auch für die Ferne ausrolleu, uns aber nicht anmaßen, in das Triebwerk, in die Verkettung der Dinge einzudringen und dieselben an die Oeffentlichkeil zu ziehen. Jede Haus- Haltung wird für ihre Bewirthschaftung gewiß auch ihre Gründe haben, wahrscheinlich liegt es also in dem Zusammenwirken der Verhältnisse, daß es für jetzt nicht besser sein kann. (Forts, folgt.) Groß-Kanischa, 7. November. Eine Trauerkunde durchläuft unsere Stadt: Dr. M§riz Horschetzky ist nicht mehr: Heute Nachmittags um drei Uhr hauchte er seinen edlen Geist aus! Sie wissen: er war der Gegenstand allgemeiner Verehrung, und wir vermögen uns kaum mit dem Gedanken vertraut machen, daß der ehrwürdige Greis, diese Ehrfurcht gebietende Gestalt mit dem Hypokrateskopfe und dem Ausdrucke heiterer, himmlischer Ruhe nicht mehr unter uns wandeln werde. Sein Leben war ein planvolles, geordnetes, nach religiösen Grundsätzen geleitetes, harmonisches Ganze. Sein Wissen war reich und tief, sein Charakter fest und wahr, sein Wohlwollen zu den Menschen unerschöpflich. Die hiesige Gemeinde verliert an ihm einen weisen, für das Judenthum glühenden Rathgeber, die jüdische Wissenschaft einen ihrer gelehrtesten und tüchtigsten Jünger (und ich einen meiner geliebtesten und bewährtesten Freunde, dem ich mit Allem, die ihn näher kannten, Nachrufe: הבל על דאבדין ולא משתכחין! Mw*). Aus der Somogy. In diesem Komitate erfreuen sich die Schulen sorgfältiger Pflege. In Kaposvär, einer Gemeinde von beiläufig 100 Familien wurde vor einigen Jahren durch die beispiellose Energie des Rabbiners D1\ Ehrentheil eine Lehranstalt in's Dasein gerufen, die durch dessen unermüdliche Thätigkeit, sowie durch Berufung des Lehrers Fischer, der noch gegenwärtig thatkräftig wirkt, ein blühendes Leben entfaltete. Auch in seinen Filialen, worunter besonders N.-Bajom hervorzuheben ist, ging das Schöpferwort יחי אורי des muthigen Rabbinen rasch in Erfüllung. Die Kaposvärer Gemeinde geht damit um, eine neue Synagoge zn bauen; wahrlich, schon höchste Zeit! Als ich neulich in der dortigen Synagoge einer Trauung beiwohnte, strömte plötzlich ein heftiger Regen herab. Da war keiner besser daran, als das unter des Allmächtigen Baldachin sich bergende Brautpaar. Das Wasser sickerte durch die Schleißen der Bodenstnbe; die zahlreiche Zuhörerschaft lauschte mit nassen Augen, den, vielleicht sehr gehaltvollen, aber kaum hörbaren Worten des Rabbi! Mau stand endlich in einer Pfütze, und hatte Mühe sich vor dem Ausgleiten auf dem holperichten, mit Schlamm bedeckten Estrich zu bewahren! Die Schulen zu Szigetvär, Szil, Tabb und Atäd huldigen ebenfalls dem Zeitgeiste. In Gige, wo der tüchtige Schulmann, Hr. Rabb. Schwarz vor einigen Jahren als dirigirender Lehrer und Hr. Engelsmann als Rabbiner ihren segensreichen Samen streuten, gedeihen herrliche Früchte. In L. To Li, einer kleinen, aber dem Geiste des Fortschrittes sich hiugebender Gemeinde s) S. auch den biogr. Rückblick B. CH. 1. Jahrg. S. 207.