Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1859-01-01 · 12 (1859) · p. Seite 558

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
12 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 558 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543094-2543106--1183-2544877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 558 — Der erste, der den heilsamen Einfluß der Züchtigungen mit fast überschwenglichen Ausdrücken pries, und dieselben freudig ertragen wissen wollte, war R. Akiba B. Josef, der entschiedene Freund der Gnosis. Er hatte den Wahlspruch: ״Alles, was der Allerbarmer thnt, thut er zum Guten!" Er meinte sogar, der Fromme müsse Züchtigungen willkommener heißen, als glückliche Ereignisse, und er gestand offen, daß er sich der Leiden freue, die seinem Lehrer, R. Eliezer B. Hyrkauos, treffen. Würde sich der Rabbi, sagte er, eines ungestörten Wohlseins erfreuen, so müßte ich besorgen, er habe seinen Antheil an der künftigen Welt schon in dieser empfangen. Ans seinen Zeitgenossen R. Jsmael wird der Spruch zurückgeführt: ״Wem vierzig Tage verstreichen, ohne daß er eine Züchtigung erfahrt, hat seinen Antheil an der künftigen Welt empfangen." Die Unruhe, welche diese Doktrin in glücklicheren Menschenkindern erzeugen könnte, wird durch folgende Charakter,- stik der Unannehmlichkeiten des Lebens bedeutend gemildert: ״Gezüchtiget", heißt es nämlich, ״wird schon derjenige, dem das Kleid, das er sich weben ließ, nicht paßt, dem statt eines kalten Trnnkes ein warmer, statt eines warmen ein kalter gereicht wird, der sein Hemd umgekehrt anzieht, oder aus seiner Börse zwei Münzen statt dreier, drei statt zweier hervorzieht 43j!" Die Korysäen ") Mechiltha, Jithrs Abschn. 11 ed Anist. 47, a. ff.) Sifre 32. Br. 5, a. 60, b. 62, a. Sabb. 50, a. 88, b. 30111a 23, a. Tacm. 8, a. Kidd. 40, b. Ab. d. K. Nathan 39. B. Meg. 86, a. Sanh. 101, a. Arach. 16, b. Ber. r. 9. 94. Ruth. 5. Der vielbesprochene Streit zwischen den Schulen Schammai's und Hiltel's und das daraus hervorgegangene Resultat Grub 13, b. scheint mit der thalmnd. Lehre von den Leiden des Lebens im Widerspruch zu stehen. Jost hält den Begriff der Erbsünde für den Gegenstand des Streites (Gesch. des Judenth. u. s. Sekten 1, 265.). Vielleicht hatte die Diskussion politische Tendenz. Die Schamajaner meinten, es sei besser gar nicht, als unter der Herodäischen Herrschaft zu leben, — eine Meinung, die leicht von praktischen Folgen hätte begleitet sein können. Die Hiltelianer widersprachen lange Zeit, weil sie jede Schilderhebnug mißbilligten. Als sie endlich, da es täglich schlimmer wurde, ihren Gegner theoretisch beistimmten, knüpften sie daran bie Bedingung: daß der Druck der Zeit die strenge Selbstprüfnug der einzelnen Bürger veran- Lassen müsse, ohne eine nationale Aktion hervorznrnfen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.