Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 12 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 552 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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552 — der stehen. Erstere hören nicht auf, die alten Gesetze abzuschreiden, und Letztere fangen nicht an, dieselben zu befolgen. Die Gesetzgebung läßt es nicht an Konzessionen fehlen; aber auch der Ueberrest von Beschränkungen kann sich nicht behaupten. Weder an den Häusern der Inden , noch an den Anzügen ihrer Frauen und Töchter, noch an ihren Familienfesten, noch überhaupt an irgend einer Seite ihres sozialen Lebens gibt sich die Trauer um Zion kund. Selbst das, waö allenfalls noch geübt wird, geschieht rein äußerlich, und hat durchaus nicht den Charakter einer wirklichen Trauer, deren Vorhandensein bei der von den Freuden und Sorgen der Gegenwart eingenommene Masse psychologisch kaum zu erklären wäre. Zuletzt bleibt den Rabbinen nichts übrig, als die unfruchtbare Klage, Jerusalem werde immer mehr vergessen und die alten Satzungen seien ganz vernachlässiget^)! Hätten sie den Gegenstand ihrer Klage von historischem Standpunkte betrachtet, sie würden sich überzeugt haben, daß die fraglichen Satzungen schon zur Zeit ihrer Entstehung auf Widerstand stießen, und daß mit denselben von Geschlecht zu Geschlecht Modifikationen vorgenommeu werden mußten. Selbst die Buße- und Klagelieder des Mittelalters, welche ans den Verlust der einstmaligen Größe so oft zurückkommen, verdanken ihren Ursprung nicht der Trauer um die Vergangenheit, sondern der Verzweiflung über die trostlose Gegenwart. Die Zeiten wareu kaum milder geworden, als jüdische Dichter, statt die Buße- und Klageliteratur zu vermehren, sich beeiserten, Erzeugnisse der europäischen Poesie iu's Hebräische zu übertragen. Nichts ist daher grundloser, als die Behauptung, daß die orthodoxen Juden mit viel zu hartnäckiger Zähigkeit an ihrem einstmaligen Vaterlande hangen, als daß sie ernstlich wünschen sollten, in ihrer dermaligen Heimat emanzipirt zu sein. Das Zeugniß der jüdischen Religionsgeschichte, das hier allein entscheidend ist, lautet ganz anders. Die jüdischen Familien und Gemeinden, sagt die Geschichte, waren selbst während der höchsten Blüthezeit der Orthodoxie, trotz ihrer unerschütterlichen Treue und Ausdauer 38) S. B.-Chan. I., 4. Die Klage Ez. Landaus, und Margolioth zuin O. Chajj. 560.