Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 12 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 550 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 560 — 26. Die Trauer um Zion. Das jüdische Selbstgefühl. Diese Trauer wird , gewöhnlich als ein so wesentliches Moment der Lebensbetrachtung der thalmudischen Zeit und des nachthalmudischen Mittelalters angesehen, daß wir ste ihrem Wesen und ihren Aeußerungen nach hier näher in's Auge fassen müssen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß unter den frommen Patristen Judäas zum Theil schon während der Regierungszeit der letzten Hasmonäer, besonders aber unter der blutigen Willkürherrschaft des von Rom gewählten Tyrannen Herodrs eine nur zu sehr begründete innere Aufregung herrschte, welche unter den römischen Landpflegern zur höchsten Erbitterung stieg. Es bedurfte, wie!r Folge klar hervortrat, nur einzelner Funken, um den angehu Zündstoff in Helle Flammen auflodern zu lassen. Die Kämpft KM׳ und in Jerusalem, Masada und Bethar sicherten den Söhnen Won'ö den Ruhm bewunderungswürdiger Tapferkeit und Todes- Verachtung und dem unersättliche» Rom den Besitz Judäas. Der Schmerz der Neberlebenden war eben so tief als allgemein; er mußte aber bei den nachfolgenden Generationen bedeutend gemildert werden, sobald, wenn auch nur vorübergehend und unterbrochen, ruhigere und friedlichere Zeiten eintraten. Das Volk, jedes Volk, findet sich mit der jeweiligen Gegenwart ab, und beutet die gegebenen Verhältnisse aus, um seines Daseins froh zu werden. Die Bürger Jndäa's machten als Rom's Unterthanen hiervon keine Ausnahme, wie die thalmudischen Quellen auf die nnzweideutigste Weift bezeugen. Nicht lange nach der Zerstörung des Tempels fühlt sich R. Josua B. Chananja noch genöthiget, denen entgegen zu treten, die mit dem zerstörten Altäre des Herrn Fleisch und Wein entbehren zu müssen glauben (B. Bathra 60, b.); den päteren Gesetzeslehrern macht sich das Bedürfniß fühlbar, rücksichtlich der Hänserverzierung, der Frauentoilette, der Gastmäler, des Gesanges und der Hochzeitfeier Beschränkungen festzusetzen, um die Erinnerung an die verlornen Güter und Hüter des heiligen