Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 12 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 545 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 645 — Im nachthalmudischen Mittelalter gestaltete stch, dem Geiste der verschiedenen Richtungen entsprechend, die Fastentheorie in solgender Weise: Die arabische Schule huldigte milden Grundsätzen. R. Saadias Gaon findet Selbstquäleret der Natur und Bestimmung des Menschen widersprechend. Durch ihre zahlreichen, Ackerbau, Handel und Nahrung betreffenden Gesetze gebe die Thora deutlich genug zu verstehen, daß ein beschauliches, mit Beten und Fasten zugebrachteö Leben nicht gottgefällig sei (Em. 10,' 3.12.). R. Jehuda Ha-Levi lehrt: ״Unsere Religion theilt sich zwischen Ehrfurcht, Liebe und Freude; durch jede derselben kannst du dich deinem Gotte nähern. Deine Zerknirschung am Fasttage bringt dich Gott nicht näher, als deine Freude an Sabbaten und Festtagen, vorausgesetzt, daß die Freude mit der rechten Gesinnung verbunden ist, und ans dem Herzen kommt (Knz. 2, 50.)." Aben Esra sagt: ״Wenn du vom Morgen bis zum Abend betest und fastest und ähnlichen Uebungen obliegst, wirst du ״verödet", d. i. du verlasfest die Bahn der Kultur (דרך ר,ישוב), wie solches die Eremiten in christlichen und mohamedanischen Ländern thun (Koh. 7, 16.)." Diese Worte hat ohne Zweifel Maimonides Deoth 3, 1. vor Auge gehabt. Er beschließt damit seine Warnung vor asketischen Ertravaganzen, zu deren Begründung er die milderen Thalmudspräche zusammenstellt. Die Polemik gegen das Eremitenleben eignet auch er stch an. Die Freunde des Fastens find ״nicht auf gutem Wege." Die Abtödtung des Fleisches ist ein ״böser Weg; die darauf wandeln sind Sünder." Die im Thalmud herrschenden Anschauungen sind ebenso wenig hier, wie in vielen anderen Fällen, treu wiedergegeben. Einzelne Forscher haben dies bemerkt, ohne jedoch von der prinzipiellen Differenz zwischen thalmndischer und maimonidischer Halacha eine Ahnung zu haben 23). Die maimonidische Motivirung des Gedaljafastens widerspricht dem Thalmud geradezu, und stimmt mit der karaitischen Motivirung (Eschk. 92׳ d.) so ziemlich überein, wiewol die Karaiten nicht den 3., sondern ״<) S. (Stuf, zu Aboth Abschn. 4. More 2, 39. R. G. A. d. Saf. Adrath. sä. Wien 431. Lech. Mischne und Seder Mischnc zu Deoth 3, 1.