Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 11 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 531 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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531 — So hat der Redner den jetzt vorliegenden Vortrag entworfen nnd so durchgeführt. Der entfernte Leser entbehrt zwar den Eindruck der lebendigen Stimme und der innigen Theilnahme des Zuhörens, beides für die Wirkung einer Rede von Bedeutung, aber er hat dafür den Vortheil gänzlicher Unbefangenheit des Denkens, für ihn ist die Rede nur eben ein Erzeugniß des <3ku stes, das einem weitern Kreise zugänglich gemacht wird. Als solches betrachten wir dasselbe hier. Der Plan der Rede ist einfach dieser: 1. Die einzugehende Verbindung gleicht dem Abschlüsse einer Ehe, der Abschluß erregt in beiden Theilen neben der Freude, zugleich bange EmpfiNdüngen; diese werden beschwichtigt durch deu Gedanken, es sei von oben herab so verfügt. — 2. Zur Befestigung der Verbindung dient eine schärfere Darstellung der inneren gegenseitigen Bedingungen: diese müssen nach altem Brauche vier Punkte erledigen; a) Die Anerkennung der Pflichten und Rechte beider Theile; b) Die Folgen der etwaigen Verletzung der Bedingungen; 6) die Ruhe und Besonnenheit in der Erfüllung; cl) die Verwerfung dessen, was sich in der Folge als unausführbar erweiset. — 3. Der Inhalt der gemeinschaftlichen Wirksamkeit wird jetzt erörtert, da sie nur den sittlich en Menschen angeht; so bestimmt schon ein alter Lehrsatz das Wesen dieser Wirksamkeit auf drei Punkte: a) Thora, Gotteserkenntui ß; b) Aboda, G ottesdienst; c) Gemiluth hasadim, gute Werke der Menschenliebe. — 4. Die Bindung dieser Elemente geschieht durch den Gesammtgeist, welcher wiederum von den Alten durch Zusammenfaffen dreier Eigenschaften ausgedrückt wird: a) Wahrheit, b) Gerechtigkeit, c) Friedfertigkeit. Wir haben hier einen Grundriß, welchem man seinen Beifall nicht versagen kann; er berücksichtigt die wesentlichsten Elemente der Tagesfrage, und eignet sich dazu, dem Volke einen klaren Einblick zu verschaffen, der durch Einfachheit der Uebersicht dauernden Eindruck zu Hintersassen verspricht. Werfen wir nun aber einen Blick aus die Form der Ausführung und fragen wir uns: Entspricht diese dem Zwecke, und hat sie den erwarteten Eindruck hervorgebracht? Wir gestehen, es ist uns höchst unwahrscheinlich. Lengnen läßt sich freilich nicht, daß eine gedruckte Rede, die den reflektirenden Leser kalt läßt, durch die lebendigen Mittel einer geübten Beredsamkeit sehr wol tief eingewirkt haben kann, und es ist daher auch Grundsatz vieler Redner, ihre Reden gar nicht drucken zu lassen, weil beim Lesen-die Bedingungen der Empfänglichkeit fehlen, und sogar bein! nachlesenden Zuhörer geschwächt werden oder verschwinden. Ja, es ist oft der Fall, daß die kühnsten Gedankensprüuge. - wo die abenteuerlichsten Bilder und Anspielungen und unlogische Gedanken folgen, den Zuhörer in seiner erregten Stimmung lebhaft ergreifen, — während dieselben Darstellungen den Leser anwidern oder tief herabstimmen, wofern nicht etwa die glückliche Anwendung rhetorischer Kunstmittel dem Redner noch eine gewisse Anerkennung verschafft. In der vorliegenden Rede müssen wir es aufrichtig bedauern, daß sie durch die Presse in die Oeffentlichkeit getreten ist. Wenn sie» im Ernste einige