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Ben Chananja · 1859-01-01 · 11 (1859) · p. Seite 522

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
11 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 522 (sequence 34)
Language
German
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— 522 Offener Brief an die jüdischen Lehrer in Ungarn. Wenn dem Vaterlande Gefahr droht, greift jeder treugesinnte Unterthan nach seinem verborgenen Sparpfennig, und opfert ihn voll Ergebung und freudigen Gemüthes auf den Altar der Vaterlandsliebe! Viele solcher Pfennige geben ein hübsches Sümmchen und konnte dem theilnehmenden Patrioten die in den Zeitungen angeführte runde Summe von einigen Hunderttausend Gutden nicht entgehen, die erst jüngst zum Wohle des bedrohten Vaterlandes, zur Anlegung von Spitälern, zum Besten unserer verstümmelten, auf dem Felde der Ehre verwundeten Brüder, die für des Vaterlandes Recht gefochten, koltektirt wurden. Ich frage Euch, geehrte Kollegen und Leidensbrüder, sind nicht auch wir Kämpfer auf dem dornenvollen Felde des Iugendnnterrichtes? Haben nicht auch wir Kämpfe zu bestehen, mit Noth und Kummer zu ringen, Lanzen zu brechen zur. Erhaltung und Erstarkung des Judenthums und des Vaterlandes? Sind nicht auch wir, ob früher oder später, in die traurige Lage versetzt, das Feld der Ehre, den Schauplatz unseres Wirkens, invalid, verwundet zu verlassen und der Mühsale des Alters pflegen zu müssen? Welche glänzende Aussichten bieten sich sodann uns dar? Gibt es irgendwo Menschen, die in Rückerinnernng unserer Verdienste freudig nach ihrem Sparpfennig greifen, um ihn zum Wohle derjenigen hinzugeben. die mehr als jeder Soldat, ihre körperlichen und geistigen Kräfte für-sie eingesetzt? Die Erfahrung sagt, nein! Es gibt nicht einmal eine Gemeinde, der die Zukunft ihrer Lehrer Skrupeln macht*)! Wo bestehen Pensionsfonde, wo ist die löbliche Vorstellung, die mit thatkrästigem Beispiele voran, wenigstens jenen Lehrern ein kummerfreies Alter zu bereiten bestrebt ist, die für ihre Gemeinde, für ihre Kinder Gesundheit und Jugendkraft in die Schanze geschlagen? Auf diese Weise müssen wir ja bangen Herzens in die von düstern Wolken umflorte Zukunft blicken! Wohlan denn, Brüder und Gefährten! Her die Hand zum Bruderbund; viribus unitis sei unser Wahl" spruch! An Euch, ihr kärglich besoldeten Lehrer ergeht meine Bitte, die Reichen haben's ja nicht nöthia. Lasset uns realistren das Projekt des Hrn. Seniors Burbanm! Wenn unsere Brüder nicht für unsere Zukunft bedacht sind, thnn es nur desto nachdrücklicher wir selbst. Jeder Lehrer im weiten Ungarlande greife rasch und ohne Verzug in seine Tasche, und sende nach Maßgabe seiner Habe Einen Stein zum großen Tempelbau an die verehrliche Redaktion dieses Blattes, welche unser Unternehmen begünstigend, uns mit Rath und That beizustehen bereitwillig ist. Ist erst ׳der Grundstein zu dieser segensreichen Institution, wozu ich mit 5 fl. CM. den Rayon eröffne, gelegt, dann wollen wir uns ein Comitä schaffen/ das die Statuten auszuarbeiten, sie in dieser Zeitschrift einer öffentlichen Kritik *) Den Pesther Pensionsfond ausgenommen. Red.

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