Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 11 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 513 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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— 513 — Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit, Versöhnlichkeit und strengste Rechtlichkeit die Grundzüge seines Charakters. Er war auf sein Wissen nicht stolz ׳und eingebildet, und ließ Jedem die ihm gebührende Würdigung und Gerechtigkeit widerfahren. Seine Frömmigkeit und Gottesfurcht war eine tolerante und dennoch sehr strenge. Er wurde daher auch, trotz seiner anderseitigen Bildung von den großen und größten Rabbinern seiner Zeit, z. B.: R. Markus Benedikt, R. Mos. Sofer mit größter Achtung und Anerkennung behandelt. Er hielt stets eine ziemlich starke Rabbinatsschule und behandelte seine Schüler sittlich strenge und liebevoll zugleich, das Studium anderer Wissenschaften war ihnen erlaubt, jedoch durften sie dadurch das des Thalmud nicht vernachlässigen, wie er überhaupt die Verbindung des Göttlichen und Weltlichen zur Basis seines Lebens machte, und es auch in der Erziehung seiner Kinder beobachtete. Sein thalmudischer Vortrag war frei von jener Pedanterie, die so oft auf den Jeschivo's angetroffen wurde nnd noch wird; er beschaff tigte sich nicht mit ängstlicher Wort- und Silbenklauberei, um daraus das künstliche Gebäude eines ״Pschätels" aufzuführen, sondern behandelte das Thema mit Scharfsinn und Ungebundenheit. Er schrieb viel, und eine Zeit ordnete er seine geschriebenen thalmndischen Novitäten um ein Werk auf den Choschen Mischpat herauszugeben; jedoch kam er von diesem Vorhaben zurück. Sein gottesdienstlicher Vortrag war ein geläuterter nnd kräftiger. St. war einer der zur damaligen Zeit in Ungarn nur spärlich Vorhändene» Rabbiner, die einer reinen deutschen Sprache in ihren Draschah's sich bedienten nnd selbe eher der neuern ״Predigt" als dem alten ״Drusch" anpaßten. Leider wurde er zu frühe von seinein heiligen Wirkungskreise abgernfen. Sein literarischer Nachlaß dürfte wahrscheinlich zwischen seinem Sohne Bezirks-Rabbiner zu Szarvas und seinem Schwiegersöhne Oberrabb. zu Stampfen ansgetheilt worden sein. Ruhmvolles Andenken seinem Namen!