Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 11 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 501 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 501■. ob dies auch den Laien mitzutheilen oder vor denselben geheim zu halten sei (Men. 99, b.). Die mittelalterlichen Litnrgisten waren jedenfalls weit entfernt, sich in dieser Rücksicht mit dem Schema zn begnügen. Vielmehr wurden schon frühzeitig biblische, halach. und haggad. Auszüge in das tägliche Gebet ausgenommen.. Solche Auszüge enthält schon das Siddur R. Amram Gaons. In ■der Folge wurden dieselben vermehrt"). In diesem Streben, die Laienwelt an dem Studium der Theologie, welches die überkommene Lebensbetrachtnng au die Spitze aller religiösen Pflichten stellte, möglichst Theil nehmen zu lassen, wurzelt auch der Ursprung der orientalischen und frankogermanischen Pijjutim. Dieselden enthalten versifizirte Halacha und Haggadah. Die Halacha widerstrebt aber ihrem Wesen nach der poetischen Bearbeitung, und die haggadische Auswahl fiel eben nicht sehr glücklich aus. Daher die Gedankenarmut der pajetanischen Dichtungen. Bei der Härte ihrer Sprache und der Schwierigkeit ihres Verständnisses konnte die durch sie beabsichtigte Verbreitung theologischer Kenntnisse unter dem Volke auch nicht bewerkstelliget werden. Nichtsdestoweniger war auch das Volk von dem unendlich hohen Werthe dieser Kenntnisse und von der großen Verdienstlichkeit der gelehrten Beschäftigung mit dem nationalen Schriftenthume lebhaft durchdrungen. Deßhalb wurden die jüdischen Studien allen Eifers gefördert und unterstützt. Bald übernahm das gotteösürchtige Weib mit den Pflichten der Hausfrau und Mutter auch die des Ernährers der Familie, damit der schriftgelehrte Gatte Muße habendem Studium des Gesetzes ungestört obzuliegen. Bald war's ein wohlhabender Schwiegervater, der in gleicher Absicht den Schwiegersohn aller Nahrungssorgen enthob. Bald wurden förmliche Verträge geschlossen: der Gewerbetreibende theilte mit dem Gelehrten die Frucht seines Fleißes, und dieser zedirte jenem, einen Theil seines Gotteslohnes. Stiftungen und Vereine unter verschiedenen Namen stellten sich die Aufgabe, den Thorabeflissenen unter die Arme zu greisen; die Moralisten ermüdeten '0) Zllttz gottesd. Bortr. 377. Landshut's Hegjon Leb S. 7. 818 ׳. - Bergt. ha-Manhig ed. Berlin 1855. S. 9.