Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1859-01-01 · 11 (1859) · p. Seite 498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
11 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 498 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2542917-2543094-2543105--1122-2544815
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 498 Schärfer als durch alle diese Aeußerungen wird der Herrschende Gedanke der thalmudischen Zeit durch nachstehende Mischnah, charakteristrt: ״Folgendes stnd die Dinge, von welchen der Mensch den Zinsgenuß hat in dieser Welt, und deren Grundstock für die künftige Welt bleibt: Ehrfurcht gegen Vater und Mutter, Uebung von Liebeswerken und Friedensstiftung zwischen Menschen; das Studium der Thora aber wiegt dies Alles auf (Pea, 1,1). Maimonides deutet diesen Schlußsatz dahin, daß dem Thorastndium als der Anleitung zur religiösen Praxis das Uebergewicht zugeschrieben werde. In Wahrheil schreibt die Mischnah im Geiste R. Simon B. Jochai's dem Thorastudium die absolut höchste Verdienstlichkeit zu. Derselbe Geist spricht auch aus folgenden Sentenzen: ״Alle Dinge der Welt und die Uebung aller Gebote der Thora wiegen nicht das Studium eines Lehrsatzes derselben auf (1. Pen. 1, 1)." ״Die religiöse Uebung gleicht der Lampe, die Forschung in der Thora dem ewig leuchtenden Lichte; jener schützt dich vor Uebel, so lange du dich damit beschäftigst, diese bleibt ein Schutzmittel immerdar (b. Sota 21, a.).״ ״Seitdem das Heiligthum in Jerusalem zerstört wurde, gibt es keinen gottgefälligern Raum, als die vier Ellen der Halacha (Ber. 8, a.)." Hervorragende Lehrer überbieten sich im Preise des Gesetzesstudiums. Sie suchen aus der Schrift den Beweis zu führen, daß dasselbe verdienstlicher sei, als Ehrerbietung vor den Eltern, als die täglichen Altaropfer, als der Bau des Jerusalemischen Tempels, als Menschenrettnng aus Gefahr (Meg. 4, b. 16, b.)! R. Jose der Chronograf, ein Zeitgenosse Ben Jochai's, hebt hervor, daß das Studium des Gesetzes altem Ursprunges sei, als die Uebung vieler Religiousgesetze (Kidd. 40, b.). ״Beim künftigen Gerichte wird die Vernachlässigung des Gesetzes zuerst geahndet (das. vergl. Tos.)." In diesen und ähnlichen Aussprüchen ist nun allerdings die thalmudische Hyperbel nicht zu verkennen. Aber die Hyperbel hat einen dogmatischen Hintergrund: die uralte, ans der hasmonäischen Restaurationszeit stammende Hintansetzung der Praxis im Verhältnisse zur Gnosis. Diese Hintansetzung ist auch in der Halacha maßgebend und entscheidend. Wie Ben Jochai das Schema nicht las, um sich im Studium nicht zu unterbrechen, so setzte man sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.