Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 11 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 494 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543094-2543105--1118-2544811- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 494 — Glauben, mit besonderem Nachdrucke hervor, das Judenthum sei eine Religion der That. Man scheint jedoch diesen Satz weder in religionöfilosofischer, noch in religtonsgeschichtlicher Beziehung genau erwogen zu haben. Genauer nnd wissenschaftlicher ausgedrückt würde nämlich derselbe lauten: das Judenthum wendet sich, die übrigen Seelenkräste vernachlässigend, ausschließlich an ein Seelenvermögen, an die Willenskraft. Wer wollte aber dies im Ernste behaupten? — Eben so wenig wird sich die Charakteristrung des Judenthums als einer Religion der That vor dem Richterstuhle der Religionsgeschichte zu rechtfertigen vermögen. Der heilige Inhalt der Bibel nimmt alle Seelenkräfte in Anspruch. Es wendet sich nämlich das historische und prosetische Element, — letzteres durch seine Polemik gegen Abgötterei, falsche Profeten und verblendete Diplomaten, — vorzüglich an die Einsicht und Erkenntniß; das legislatorische und gnomische Element an den Willen und den Wandel; das lyrische Element an das Gemüth und die Empfindung. In den Schulen der Gelehrten oder der nachmaligen Peruschim wurde das Judenthum eine Religion der Erkenntniß, des Wissens, des Studinms, der gelehrten Forschung und Vergleichung. Auf der Lyddenser Synode erfuhr die Ausschließlichkeit der Theoretiker eine bedeutende Milderung. Die von derselben ausgesprochene Unterordnung der Theorie unter die Praris blieb auch in den folgenden Zeiten nicht ohne Nachklang. Sie vermochte aber durchaus nicht der herrschende Gedanke zu werden. Das alte, die Gnosis und die Theorie verherrlichende Prinzip kam gerade in den entschiedensten Geistern immer wieder zum Durchbruch. Es gelangte in der Halacha zu maßgebender Geltung. Es übte auf das Leben einen tief eingreifenden Einfluß aus. 49. R. Simon B. Jochai. Der entschiedenste und rigoroseste Charakter der thannaitischeu Zeit war nächst R. Akiba B. Josef sein Schüler R. Simon B. Jochai. In der That erklärt auch er, gleich seinem Lehrer, das Gesetzesstudium für die höchste und verdienstlichste reli-