Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 10 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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. — 475 — auch, daß es dem Charakter des Ben-Chananja am Wenigsten zusage, gehäßigen Parteileidenschaften als Tummelplatz zu dienen.*) L. Eperies. Die hiesige Gemeinde verdient von den Lesern des gediegenen ״B.-Ch." gekannt zu werden. Kaum ein halbes Sekillum her, und kein Jude durfte sich im hiesigen Orte anders zeigen, als wenn er für jede Stunde seines Verweilens, während welcher stets ein Heiduk sein Begleiter war, einen Dukaten zahlte. Noch sind's nicht 60 Jahre, als wegen der unseligen Beschuldigung des' Gebrauches vom Christeublute der Märtyrer Moses Fränkel aus diesem Komitate (hier genannt) unter den Augen der Ortsbehörde den Märtertod starb. — Gegen Ende des 18. Jahrhunderts siedelte sich hier mit kaiserlichem Privilegium der erste Jude Simon Juvellier an, dem bald der als Mensch und edler Jsraelite rühmlichst bekannte Markus Holländer, Vater des bei den 1840-ger ungarischen Landtagen um die Sache der Juden sich verdient gemachten hier lebenden Hrn. Leo Holländer, nur unter der Bedingung folgen konnte, daß er sich beim damaligen Fleischmangel verpflichten mußte, die Stadt sechs Jahre hinter einander mit Rindfleisch zu versehen. Noch zwei andere Juden erhielten unter derselben Bedingung das Wohn- und unbeschränkte Gewerbsrecht, die aber bald, da ihnen die Eröffnung von Handlungen behördlich untersagt wurde, Allerhöchsten Ortes ihr Recht geltend machen mußten. Im Jahre 1848 traf man hier im Ganzen 13 Familien an und während des eben abgelaufenen Dezenniums ist das kleine Häuflein eine bei 90 Familien starke Gemeinde geworden. Dank dem sich in der hiesigen Stadt geltend machenden Geiste der Humanität — sie erblickt mit Vergnügen den Segen des Friedens und Gedeihens unserer Gemeinde, und gibt ihr Wohlwollen auf gar mannigfache Weise kund. So hat das Bürgermeisteramt schon vor drei Jahren angeordnet, daß die Gemeinde Statuten entwerfe, und sich als wohlorganisirte Körperschaft konstituire. So spendet der Stadt-Magistrat zur Beheizung der Gemeindeschule jährlich 6 Klafter hartes Brennholz, und so könnten hier noch mehrere Züge erwähnt werden, die von edler Toleranz der hiesigen Behörden zeigen. Das Leben und Wirken dieser Gemeinde, ist ein heilsames, das jedem *) Es freut mich sehr, Sie unter den Korrespondenten ״B.-Ch.'s" begrüßen zu können. Ihre Mittheilungen sollen mir stets willkommen sein. Nach reiflicher Ueberlegung werden Sie wol selbst einräumen, daß eine von gründlicher Fachkenntniß zeigende Analyse eines geistigen Erzeugnisses mit ״Uneinigkeit" und ״Parteileidenschaft" nichts gemein habe. Wahrheitsgetreue Darstellung vorhandener Zustände und Stimmungen, namentlich in großen Gemeinden, gehört mit zu der vorherrschend geschichtlichen Tendenz dieser Blätter. Daß nicht Alle Alles mit gleichem Blicke ansehen, ist leicht erklärlich. Daher gestatten wir gerne jeder Anschauung, sich auszusprechen. Der künftige Spezialgeschichtschreiber wird sich des sorgfältig gesammelten Materials freuen, und sich gerne der Mühe unterziehen, das Korn von der Spreu zu scheiden.