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Ben Chananja · 1859-01-01 · 10 (1859) · p. Seite 474

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
10 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 474 (sequence 38)
Language
German
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— 474 — auf's Innigste zu verschmelzen. Ich weiß nicht, ob die Verbindung jener beiden Richtungen völlig neu und dem Hrn. Oberrabb. eigenthümlich sei. Mir scheint sie aber jedenfalls für die jüdische Predigt am angemessensten und wirksamsten zu sein. — Das leicht erregbare Gefühl, verbunden mit dem berechnenden Verstände und der lebhaften Einbildungskraft, die dem Inden eigen sind, greifen immer dem Redner vor; sie werden gerührt, überzeugt und für die Sache gewonnen, bevor er noch mit der Ausführung zn Ende ist. Darum liebt der Jude nicht, wenn der Prediger bei einem Gedanken zu lange-verweilt, und eine Lehre durch verschiedene Beispiele in's Licht setzt, und deren Nutzanwendung ihm längst einleuchtet. Der Jude wird mehr durch Gedankenblitze und scharfsinnige Bemerkungen, als durch die Farbenpracht des Ausdruckes und rednerischer Wendungen angezogen. Sein Interesse erkaltet, wenn man ihm keine Abwechslungen der Ideen und Einfälle bietet, die seine Aufmerksamkeit fesseln. Den glänzenden Erfolg, den die Predigten des Rabbiners, nicht nur bei unfern Glaubensgenossen, sondern auch bei den Gebildeten anderer Konfessionen, die sich häufig bei denselben einfinden, allgemein erringen, ist der beste Beweis? daß diese Reden den strengsten Maßstab der Beurtheilung nicht zu scheuen brauchen, und weit entfernt in ״Manier" oder ״Gemeinheit" zu Versallen, durch die Gediegenheit des Inhaltes sowol, als durch die ansprechende Form, dem durch die besten Muster verwöhntesten Geschmacke zu genügen verstehen. Noch ungegründeter ist der gegen ihn erhobene Vorwurf einer Versündigung gegen die Geschichte unseres engern Vaterlandes, für das hier ganz zur Unzeit eine Lanze gebrochen wird. — Die Anspielung auf die Ghetto's und die gelben Flecke einer frühem Zeit, bezog sich weder speziell auf Ungarn, noch handelte - es sich dabei überhaupt darum, über diese Beweise von Jntoleranz ein Verdammungsurtheil auszusprecheu. Die politische Erniederung, unter der wir damals in ganz Europa seufzten, wurde blos angeführt, um die geistige Versunkenheit, mit welcher sie, wie Ursache und Wirkung zusammenhing, sinnbildlich zn veranschaulichen. Abgesonderte Iudenbezirke bestanden überdies noch vor Kurzem in Preßburg, Raab, Neutra re. rc., und wenn auch der Ursprnng derselben nicht in der ungarischen Gesetzgebung zu suchen ist, so müßte es doch einem Redner gestattet sein, auf eine unleugbare Thatsache anzuspielen, wenn es wirklich geschehen wäre, ohne deshalb der historischen Ketzerei beschuldigt zu werden. Man verdankt es hier übrigens sehr Ihrem Korrespondenten Phil., hinter dem man, mit Recht oder Unrecht eine sonst geachtete Persönlichkeit, und einen noch geachtetern Namen vermuthet, daß er das traurige Amt übernommen zu haben scheint, den verglimmenden Funken der Uneinigkeit in unserer Gemeinde wieder anzusachen. Man glaubt, daß der hohe Ton, den er dabei anschlägt, ihm, dem Rabbiner gegenüber, durchaus nicht gezieme. — Man glaubt

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