Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 10 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 473 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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vorkommenden Psalmen, endlich aus der Grammatik die vollkommene und genane Kenntniß der drei wichtigsten Redetheile, des Hauptwortes, Zeitwortes und Fürwortes. Es versteht sich von selbst, daß die Leseregeln den Schülern schon in der zweiten Klasse beigebracht werden. Ich wage keineswegs zu behaupten, daß Entwurf und Behandlung nichts zu wünschen übrig lassen; es ist aber darum Niemand berechtiget, uns der Vernachlässigung dessen zu zeihen, wofür das Herz jedes jüdischen Lehrers warm schlägt, und dem jeder gewissenhafte Lehrer im Gefühle seiner Berufpsiichten volle Rechnung zu tragen sich bestrebet. F . . . . l. Pesth, im September. Darf ich hoffen, daß Sie einer kurzen Entgegnnng auf ein Schreiben ans Pesth, im 9. Hefte Ihrer beliebten Monakschrist eine gefällige Aufnahme einräumen werden? Hr. PH. scheint v er gessen zu haben, daß der erste Vortrag unseres verehrten Oberrabb. Dr. Meisel, den er bespricht, eine Antrittsrede war, wo es nicht nur schicklich, sondern durchaus angezeigt war, daß sein, moralisches Berhältniß der Gemeinde gegenüber, und diese ihm gegenüber zur Sprache gebracht werde. Er vergaß nebstbei zu bemerken, wie taktvoll und meisterhaft der Hr. Rabbiner sich dieser interessanten Aufgabe entledigte. Was diesem in meinen Augen zum besonderen Lobe gereicht, daß er die gewohnten Geleise verlassend, sich über die hergebrachten Formen hinwegsetzt, um sie dem Geiste und dem Geschmacke seiner Gemeinde entsprechend umzugestalten, verwandelt sich im Munde Ihres Ref. in einen Tadel. — Die moderne Predigt nimmt gemeiniglich eine Bibelstelle zum Terte einer moralischen Betrachtung, die sie den Zuhörern zum unmittelbaren Gebrauch an's Herz legt. Der Stoff ist oft sehr dürftig und die Kunst des Redners besteht darin, ihn durch Mannigfaltigkeit der Gesichtspunkte, treffende Schilderungen und rednerische Verzierungen mit einer gewissen Breite in symetrischer Ordnung auseinanderzusetzen. — Die alte, sogenannte Drasch ah hingegen, war eigentlich nur ein gelehrter Vortrag über eine schwierige Frage aus dem Thalmud, meist über einen rituellen oder dogmatischen Gegenstand, den sie zu beleuchten und die ausgesprochene Ansicht gegen andere Auslegungen polemisch zu verfechten suchte. Die Predigt wendet sich zunächst-an das Gemüth, die Daraschah zunächst an den Verstand der Zuhörer. Die Predigt glänzt durch den Reichthum der Bilder, wie durch' neue Seiten, die sie dem Gegenstände abzttgewinnen weiß. Die Drasch ah hingegen hatte für die Schönheit des Ausdruckes keinen Sinn, und begnügte sich, den gelehrten Inhalt der Rede in einfachen Worten dem Verständnisse nahe zu legen und sie blos mit einer Fülle von Citaten und Erklärungen verwandter Stellen der h. Schrift und der rabbinischen Literatur aüszuschmücken. Es war gewiß eine glückliche Idee des Hrn. Oberrabbiners, die Vorzüge dieser beiden Arten von Vorträgen: die moralische Tendenz und die unmittelbare Anwendbarkeit für's Leben, wie die gefällige äußere Form der Predigt, mit dem lehrreichen inner» Gehalt und der Gedankenfülle der Draschah