Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 10 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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sind seitdem über zwei Jahre verflossen, nnd die Aussicht auf baldige Jnslebentretung derselben beginnt immer mehr zu schwinden. — Die an Größe und Gemeinsinn Tarnow nicht nachstehende Gemeinde Rzeszow hat im Winter des Jahres 1857 sich die Dotations-Urkunde von der Bolechower Schule erbeten, um nach Art derselben dort eine zu kreiren; aber man vernimmt kein Sterbenswörtchen mehr von diesem Projekte. Ist es schon etwa im Keime erstickt worden? — Auch in Przempsl ist vor einigen Jahren die Konzession zur Errichtung einer Schule durch einen gewissen Hrn. Bek erlangt worden, leider sind dessen Bemühungen durch die Lässigkeit der Vorsteher nicht mit Erfolg gekrönt worden! — Warum aber Jaraslau', diese Gemeinde, wo die Civilisation bereits tiefe Wurzel geschlagen hat, und Alles dem Germanismus huldigt, keine Schule anfzuweisen hat, kann ich mir wahrlich nicht erklären. Man scheint da für derlei Sachen schon ganz indifferent geworden zu sein! — Aber du, o Stanislau! hülle dich in einen Sack, bestreue dein Haupt mit Asche nnd beweine dein ElenU denn, hier haben Rabbiner und Vorsteher gleichsam einen Vertrag geschlossen, um dich in tiefster Finsterniß zu erhalten; denn, während in andern Gemeinden wenigstens im Trüben gefischt wird, treibt man hier ganz offenes Spiel, und das Gute und Edle wird schon im Keime erstickt. Die im Jahre 1848 ans privativen Mitteln einiger Edeldenkenden errichtete Schule, die einer öffentlichen den Weg zu bahnen bestimmt war, mußte nach sehr kurzem Bestände einer galizischen Thalmud-Thora den Platz räumen; ja, ein aus dem benachbarten Tysmienice auf Ansuchen einiger Eltern herübergekommene Melamed, um die Bibel mit deutscher Ueversetzung und die hebräische Grammatik zu unterrichten, wurde vom donnerscheuen*) Rabbiner mit dem Banne bedroht, wenn er nicht diese fromme Stadt, die er als geistliches Oberhaupt vor Verpestung zu wahren hat, augenblicklich verlassen wird, und keiner der Eltern wagte sein v6to gegen dieses Verfahren, wenn er nicht derselben Strafe anheimfallen wollte, einzulegen; und so war unser Melamed genöthigt, seine Rückreise anzutreten, um den obskuren Melamdim, die über 6000 fl. EM. jährlieh verschlingen, ohne daß die Jngeud etwas erlerne, das Feld zu räumen. — Auf gleicher Stufe wie Stanislan steht auch Kolomea. Dieselben Hindernisse hemmen auch hier den Fortschritt. Die im vorigen Jahre von den Bessern gemachten Bemühungen, den Rabbincrts-Kaudidaten L. Hultes, dessen hebräische Aufsätze im Kerem Ehemed und K1.׳chbe Jizchak den bessern angereiht zu werden verdienen, auf den Kreis-Rabbinalsstuhl zu erheben, sind durch die Jntriguen der Chassidim fruchtlos geblieben. — Und nun schließe ich meinen Bericht mit dem Wunsche, möge doch die Regierung das galizische Schulwesen *) Nach Erod. 19, 16/sind die zehn Gebote unter Donner und Blitz dem Volke Israel in hebr. Sprache verkündet worden. Da aber unser Herr Rabbiner, diese Sprache nicht zu verstehen, die Ehre hat, so versteckt er beim jedesmaligen Donnern unterm Bette, da er die göttlichen hebräischen Worte, welche für ihn ein terra incognita sind, zu vernehmen fürchtet. 30*