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Ben Chananja · 1859-01-01 · 10 (1859) · p. Seite 470

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
10 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 470 (sequence 34)
Language
German
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470 ״״ Befragen wir uns doch einmal ganz offen und ernst, warum gerade in Galizien — das Jndenthum sich so geringen Fortschrittes erfreut? Denn, während sich in alten Theilen des österreichischen Staates, besonders im benachbarten Ungarn, mit jedem Tage erstaunliche Fortschritte zeigen, bemerkt man in Galizien vielmehr ein Rückschreiten; denn, selbst die heilige Sprache, dieses einzige Vermächtniß, welches noch da treu anfbewahrt wurde, geräth in Vergessenheit, und die königliche Harfe, welche noch ein gottbegeisterter Jüngling zu spielen Pflegte, ist verstummt und an die Weiden gehängt. In des Profeten Worten: ״Mein Volk, deine Führer leiten dich irre!" ist die Ursache dessen enrhal.״ ten. Der verknöcherte Rabbinismus mit seinen abskuren Ansichten im Vereine mit den jeder Neuerung abholden Gemeinde-Vorstehern und den Altes demoralisirenden Rebbes find die Klippen, woran die Bemühungen der Befferdenkenden, die aber im Vergleiche zum Rabbinismus, welcher das Gute zu unterdrücken nicht ermüdet, geringe Ausdauer entwickeln, scheitern. Während in den übrigen Kronländern des Kaiserstaates das Gesetz, daß kein Kreisrabbiner ohne philosophische Studien angestellt werden darf*), mit aller Strenge und En ergie gehandhabt wird, wodurch man auch überall zeitgemäß gebildete Theologen die Rabbinats-Stühle einnehmen sieht, trifft man in Galizien alle Rabbinate mit Laien besetzt, die, aller Bildung, selbst der Kenntniß der hebräischen^ Sprache**) bar, provisorisch von der Regierung angestetlt werden, leider aber^ mit jedem Triennium ihr Provisoriltm erneuern, bis sie solches mit in's Grab nehmen. Das Rabbinat, wozu das Söhnlein noch an der Brust bestimmt wird — denn es erfordert ja außer den Kenntnissen des Bar-Hajtew und des Chochmes-Adam, und etwas aus dem halachischen Theile des Thalmud sonst keine mehr — übergeht von Vater auf Sohn, und bildet gleichsam ein geschloffenes Kastenwesen. Was läßt sich aber von einem Rabbiner, der nicht seiner Kenntniffe, sondern seiner Geburt halber, bevorzugt wird, erwarten? Nichts als eine Unterdrückung alter geistigen Entwicklung in seiner Gemeinde; denn nur unter Unwissenden kann er noch etwas gelten; darum wird, weltliche Bildung abgerechnet, selbst Thalmud und Bibelunterricht vernachlässigt. — Wenn wir nun unser Augenmerk auf die einzelnen Gemeinden richten, so verdient zuerst Tarnow unsere Aufmerksamkeit. Diese Gemeinde erfüllte vor einigen Jahren alle Befferdenkenden mit der Hoffnung einer bald zu kreirenden Schule. Schon wurde eine Dotation von 5000 fl. CM. zur Gründung einer Hauptschule festgesetzt, und in Folge dessen die Chadarim von Amtswegen gesperrt; nnn aber *) Dies gilt nur von Böhmen. Red. **) Es gibt Beispiele von galizischen Rabbinen, welche die in ihren öffentlichen Derahschath vorkommenden Brbelverse, die sie niemals aus der Quelle gelernt haben, als aus dem Thalmud herrührend, eitiren, und wird so ein Eremplar von einem Rabbiner von irgend einem wißbegierigen Jüngling um die Erklärung einer Bibelstelle gebeten, so verweist er ihn an die Apikorsen, die sich mit solchem abgeben.

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