Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 10 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 463 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 463 — Wanderungen im Gebiete jüdischer Vorzeit. Von Di׳. Larmoly in Frankfurt am Main. (Fortsetzung) *). 16♦ Edle That eines jüdischen Wirthes Ln Polen. Eine polnische Fürstenfamilie war durch verschiedene Unfälle im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts so heruntergekommen, daß der letzte Fürst aus derselben sich entschloß, seinen Stand zu verleugnen, und bei einem Edelmanne, der sich bei seinen Vorfahren bereichert hatte, in Dienste zu treten. Einst hielt er mit den Pferden seines Herrn vor einer jüdischen Schenke. Der Wirth erkannte und behandelte ihn mit der größten Höflichkeit, und ob ihm schon der Fürst versicherte, daß er keinen Titel annehme, dessen Würde er nicht behaupten könne; so blieb der Wirth doch vor ihm ehrerbietig stehen, und bat ihn dringend, mit ihm in die Stube zu kommem Als sie hier waren, begann der Jsraelite: ״Gnädiger Herr! Ihr Vater und Großvater haben mich njit Wohlthaten überhäuft; es ist billig, daß ich mich gegen ihren letzten Abkömmling dankbar beweise. Gott hat mich gesegnet, und ich freue mich, Gelegenheit gefundeu zu haben, diesen Segen mit Andern zu theilen. Nur dann werde ich ruhig sterben, wenn ich mit Mi Bewußtsein, aus der Welt gehe, etwas zur Wiederherstellung ihres alten Glanzes beigetragen zu haben." Der edle Jude drang so lange in den Fürsten, bis er sich entschloß, seine Dienste zu verlassen. Als dies geschehen war, verschaffte er ihm anständige Kleider. ״Allein dieses" — sagte er — ״ist nicht genug. In meinem Stalle sind Ihre Pferde. Ihre Kutschen stehen vor meiner Thüre, und diese sind ihre Bediente." — Es waren vier stattlich gekleidete junge Leute. ״In meiner Nachbarschaft lebt ein reicher Deutscher, der eine schöne^, tugendhafte Tochter hat, und ein vortrefflicher Mann ist, aber die Schwachheit besitzt, daß er sie blos an einen Manu mit einem Ordensbande verheiraten will. Sie sind ein Fürst. Hier sind tausend Dukaten. Gehen Sie zum Könige und bitten Sie ihn um einen Orden. Kommen Sie aber schnell zurück, denn ich bin alt, und möchte gerne mein Werk vollenden." Der Wirth suchte unterdessen die Heirat zu betreiben und der Fürst, der erst 20 Jahre alt war, erhielt nach seiner Rückkunft das schöne Mädchen und mit ihr eine Mitgabe von Hunderttausend Gulden, nebst dem Versprechen, noch ebenso viel zu bekommen, sobald ihm das erste Kind geboren werde. Er zeugte mit seiner Gemahlin zwei Söhne, wovon der eine in früher Jugend starb, der andere aber eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterließ, welche gleich ל S. 0. H., S. 267.