Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 10 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 448 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 448 — losen Unfehlbarkeit; auch bestreiten wir Niemanden das Recht, unsere Schlüsse einer Prüfung zu unterziehen, und mit gerchter Wage das Für und Wider abzuwägen; dies um so weniger, als wir uns wol bewußt sind, die Erklärungen der alten Schule mit einer gewissen Freiheit, wie sie jedem Geschichtsschreiber zustehet, benutzt zu haben; aber Niemand hat die Besngniß, uns einer unverantwortlichen Leichtfertigkeit zu zeihen, und zu behaupten, wir geben gerade das Gegentheil dessen, was in der Quelle stehet. Schon die Wahrnehmung, daß der Widerspruch von jedem Schulknaben bemerkt wird, der von Kritik keine Begriffe hat, mußte den Richter überführen, daß die Geschichtschreibung wol einen andern Hintergrund habe, als den an sich räthselhasten Mischnahtert. Ein Anderes ist kritisiren, ein Anderes alle Welt zu einer Verurtheilung reitzen wollen. Was nun die neuerdings versuchte Herbeiziehung eines Zeugnisses ans dem großen Werke des Maimonides betrifft, so erlauben wir uns daraus Folgendes zu erwidern. Vor Allem ist es an und für sich seltsam, sich auf einen 900 Jahre jüngern Meister zu berufen, der noch dazu den Inhalt der alten Quelle, ohne auf ihren Wortlaut einzugehen, nur so weit er seinem Zwecke dient und lediglich ans dem Gedächtnisse in Erinnerung bringt, da, wo uns eine alte sichere Quelle zu Gebote steht. Ja, man muß sich noch mehr darüber wundern, da Maimonides gerade in geschichtlichen Dingen überall nur sehr zweifelhaften Ueberlieserungen folgt, und überhaupt aus Geschichtökunde gar keinen Werth legt. Sämmtliche jüngere Autoritäten, die wir .vor uns haben, — wir nennen hier besonders den schon hundert Jahre ältern Alses, den Maimonides selbst auch in seiner Mischnah-Erklärung benützt, und den hundert Jahre jüngern Rosch, — verfolgen in ihren bewunderungswürdigen Werken nicht den Zweck, die Mischnah philologisch, antiquarisch und geschichtlich zu erläutern, sondern lediglich den, die Anwendung des Gesetzes nach dem דין und der הלכה zu erörtern, namentlich deren Fortschreiten in der Anwendüng auf ganz andere Zeiten und Verhältnisse zu ermitteln. Ihnen muß die Mischnah überall, wo nicht der Bibeltert selbst, und