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Ben Chananja · 1859-01-01 · 8-9 (1859) · p. Seite 431

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
8-9 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 431 (sequence 91)
Language
German
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431 — meutlich die handgreiflichen Beziehungen und Anspielungen, mit sichtbarem Vergnügen an. Ein strengerer, Meistern der Kauzelberedsamkeit entlehnter Maßstab dürste nicht daran gelegt werden, weder in Rücksicht auf Inhalt noch auf Bau und Form. Auffallend war mir's noch, daß die Sprache, im Ganzen recht schön, doch dem Gemeinplatz nahe kommt, und wieder ein ander Mal in eine Manier fällt, welche der Norddeutsche am Oesterreicher so gerne rügt. Daß Alles begierig auf des Herrn Rabbiner fernere Vorträge ist, habe ich nicht nöthig zu sagen. — Unser Tempel "prangt schon in aller Pracht und Herrlichkeit; nur noch wenige Arbeiten sind zu vollenden, und seine Pforten werden sich den Betern öffnen. Wie bis jetzt verlautet, sott die Einweihung am 6. September stattsinbeu-; die Schlußsteiuleguiig wird am gleichen Tage vor sich gehen. Philalethes. R. Groß-Karnfza, im August. Der Pesther Gemeindevorstand hat, wie ich aus sicherer Quelle erfuhr, von Hrn. M. Jsraelssohn in Hamburg, ein die Nabbinerwahl heftig tadelndes Schreiben erhalten. Wie mächtig muß das Selbgbewnßtsein unserer deutschen Brüder sein, wenn es einem Privatmanne Ln den Sinn kommen kann, dem Vorstände einer fremden, großen Gemeinde nicht nur Vorstellungen, sondern selbst Vorwürfe zu machen! Als der Chacham Bernays mit Tode abging (1849) und die Hamburger Gemeinde sich mit der Wahl eines Nachfolgers beschäftigte und endlich auch wirklich einen Rabbinen wählte (1854), fiel es sicherlich keinem Pester Juden ein. an die Hamburger Wähler eine Interpellation zu richten. In Ungarn stvürde ein solches Auftreten als abenteuerliche Anmaßung betrachtet werden. An der Elbe scheint man es ganz in der Ordnung zu finden, den Brüdern an der Donau zuzurüfen: ״Siehe, ich helfe dir aus der Ferne (Zer. 30, 10)." Und obwol die deutschen Juden bei ihrem bekaunten nationellen Sinne sich herzlich freuen sollten, daß die Pesther Gemeinde mit Hintansetzung mancher, hier nicht weiter zu erörternder Lokal bedürfniffe einen erkluflv deutschen Rabbinen wählte, können sie'sich dennoch nicht enthalten, ihre tadelnde Stimme zu erheben. Die Pester Gemeinde ließ und Läßt sich natürlich durch die fremden Vota nicht irre machen. Sie schätzt den Gemeindefrieden viel zu hoch, als daß sie sich zu Streitigkeiten sollte hinreißen lassen, die weder ihr selbst, noch dem jüdischen Namen überhaupt zur Ehre gereichen würden. Wo läge auch der Grund zu solch' unliebsamen Streitigkeiten? Wan macht dem ehrw. Nachfolger Schwab's den Vorwurf, er sei kein gelehrter Thalmudist. Wer besitzt aber den Maßstab, nach welchem die thalmudische Gelehrsamkeit, gemessen werden sott? Lehrt nicht die Erfahrung, daß selbst anerkannte Thalmudisten sich gegenseitig thalmudische Gelehrsamkeit absprecheii? Muß nicht jeder Bittigdenkende zugeben, daß bei dem klassisch gebildeten Rabbiner nicht eine so umfassende thalmudische Spezialkenntniß vorausgesetzt weren könne, wie bei dem einseitigen Thalmudisten? — Witt man nicht ungerecht sein, und Unmögliches verlangen, wird man,

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