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Ben Chananja · 1859-01-01 · 8-9 (1859) · p. Seite 429

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
8-9 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 429 (sequence 89)
Language
German
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— 429 — Zunächst entzückt und begeistert uns die Ankunft unseres hochgeehrten und gefeierten Oberrabbiuers vr. W. A. Meisel, der am 11. d. M. unsere Gemeinde als Leiter und Seelsorger übernahm. Die Begeisterung fand ihren Ausdruck schon in Gran, wo Se. Ehrw. im Namen der ganzen Gemeinde begrüßt wurden. In Palota hielt der geehrte Präses des Vorstandes, Hr. D. Fleischet, eine gemüthvotle Rede an dem neuen Seelenhirten, die von Letzterem eben so bescheiden als sinnreich erwidert wurde. Der Hr. Oberrabbiner sprach mit Recht seine Beklommenheit aus; denn der Oppositionsgeist kennt keine Rücksichten. Keinen Kulminationspunkt erreichte der Jubel im Gemeindefitzungssaate, wo der ehrw. Prediger, Hr. Bach, eine würdige Ansprache hielt,. und der Hr. Oberrabbiner mehr als würdig und bescheiden antwortete. Beim Gintritte in die mit allen Erfordernissen versehene Wohnung brach der Hr. Oberrabbiner in die Worte aus: הרבה חרבה מאוד! Was soll ich nun noch von der am vergangenen Sabbathe gehaltenen Antrittspredigt berichten? — Geist- Gemüth und Gefühl, getragen von einer außerordentlichen Bescheidenheit, nebst einer gediegenen Diktion, dichterischen Einkleidung und tadellosen Vortrag haben einen entschiedenen Sieg davon getragen. Der bei Weitem größte Theil der frühern Opposition ist für den Hrn. Oberrabbiner gewonnen. Die etwaigen übrigen Opponenten sind durch diesen einzigen, geistreich geordneten und ausgeführten Vortrag zu Boden geschlagen. Der Beifall, das^ Wohlgefallen ist allgemein. Der Gemeindefriede ist für die Dauer gesichert. Die Lehrer beider Schulen versicherte der Hr. Oberrabbiner, daß er ihnen den besten Theil seiner Kraft weihen werde. 1 Heinrich Spitzer, Rabbinats-Kandidat. Pesth, 14. August. Vorigen Donnerstag, den 11. d. M., langte der neue Rabbiner, Hr. Dr. W. A. Meisel hier an. Von der Begrüßung, in dem eine Stunde von hier entfernten Palota durch Vorstand, Vertreter und einer ansehnlichen Zahl von Gemeindegliedern, von dem Empfange hier im neuen Gemeindesaale, von den Ansprachen und Antworten hier und dort, hat der ״Pester Lloyd" vom 12. d. M. bereits berichtet. Zur Ehre deF Hrn. vr. M. kann wohl von seiner Bildung und seinem guten Geschmacke vorausgesetzt werden, daß er in seinen ״kurzen Antworten" nicht Gelegenheit nahm, wie der Historiograph im ״P. L." meldet, ״reiches Wissen" zu entfalten. Das im Munde eines seit 30 Jahren wirksamen Mitarbeiters im Weinberge des Herrn sonderbar klingende Kompliment, Hr. Vr. M. werde einen ״neuen Geist" der Religiosität und Frömmigkeit in die Gemeinde bringen, lehnte dieser in bescheidenen Worten ab, er werde hoffentlich nur nöthig haben, in Vem stets gelehrten Geist fort zu lehren und zu wirken. Gestern hielt der Hr. Rabbiner seinen Antrittsvortrag im Chortempel vor zahlreicher Versammlung. Erscheinung, Sprache und Inhalt.gefielen zum größten Theil. Das Organ ist ein angenehmes, von sympathischen Klange und ziemlicher Kraft, wie ich von meinem etwas entferntem Platze aus wahrnehmen konnte. Ob es auch für den neuen Tempel ausreichen werde, ist noch fraglich.

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