Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 428 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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— 428 — thusiasmus angesangen, der in Hrn. Dr. M. einen ״Mann Gottes״ erblickt, ein Juwel, womit endlich, endlich die Gemeinde beglückt wird, bis zu den bos- Hastesten Schmähungen und Verwünschungen hinab, wie sie nur der finsterste Fanatismns einzugeben vermag. Ich meinerseits lege natürlich eben so wenig Gewicht auf jene Ergießung eitler Phrasenmacherei, als auf diese Aeußerungen einer kleinen, seit Kmzem mächtiger gewordenen Partei, die ihre Parole von Außen her holt, und deren Blicke fich sehnsüchtig nach dem Neufiedler See richten. Ich will sehen, hören, beobachten, und dann — auch nicht richten, sondern nur berichten. -- Wünschen aber muß ich vom Herzen, im Interesse, sowohl der hiesigen Gemeinde, als der gesammten ungarischen Judenheit, daß die Wahl des Hrn. Dr. Meisel fich als glücklich bewähre, daß er seinen Wählern und Parteigängern, die bisher unleugbar, zumeist von negativen, der Sache fern Liegenden Tendenzen geleitet wurden, positive Gründe zu dauernder, innerlicher Anhanglichkeit gebe, und daß seine Tüchtigkeit auch die Gegner nöthige, alle Rancune über Wahlmodus und Aehnliches fahren zu lassen, und ihr volles Vertrauen ihm zuzuwenden. ״Sei besser als Trajan, glücklicher als August!" grüßten die Römer. Möge Hr. Dr. M. seinem Vorgänger an Tüchtigkeit nahekommen und glücklicher als dieser sein! Unwillkürliche, aber natürliche Gedankenverbindung hat mich an ein Ihnen, Hr. Redakteur, so theures Grab geführt*). Fürwahr, wer's sonst nicht wüßte, dürfte es heute hier erkennen, welcher Umfang des Wissens, welche Schärfe des Geistes, welche Sicherheit der Haltung und Gediegenheit des Charakters dem Manne eigen sein mußte, um in dieser vielköpfigen, vielgestaltigen und vielstimmigen Gemeinde fich die Liebe und das Vertrauen so Vieler, die Achtung und Anerkennung Aller zu erwerben. Wollen Sie und Ihre Leser es. entschuldigen, daß ich vom Lebenden beginnend, auf den Todten gekommen. Pflegte ja׳ nach alter, außer Brauch gekommenen Sitte, sogar der erste Gruß des neuen Rabbi, den Manen des dahingegangenen Vorgängers zu gelten**). So sei es auch mir freundlich nachgesehen, wenn ich mich bei meinem ausrichtigen Gruße an die Zukunft eines Blickes auf die Vergangenheit nicht erwehren konnte. Philalethes. Pesth, 15. August. Wir befinden uns in einer ungewöhnlich freudigen Stimmnng. Wichtige Ereignisse, wichtig und bedeutsam für jedes warm füh- Lende jüdische Herz, treffen bei uns zusammen. *) Ein unaussprechlich theures Grab. Denn, abgesehen von verwandtschaftlichen Verhältnissen, werde ich es stets dankbar anerkennen, daß ich das Beste, das ich weiß, und seit zwanzig Jahren Gott Lob! nicht ohne Segen lehre, dem Unterrichte, der Anleitung und den Mittheilungeu Schwab's verdanke. Löw. ** Und nach alter, nicht außer Brauch gekommenen Sitte pflegt der Nachfolger den Vorgänger in der Antrittspredigt zu nennen. Red.