Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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— 424 — Volksschulen Hr. Johann v. Bolla, ein ebenso berühmter Naturforscher, als bewahrter Schulmann, der die allseitigste Achtung genießt. Ferner besteht hier noch eine israelitische Handelsschule, deren Inhaber Hr. I. Rosenzweig ist. Gegen Mißgeschicke aller Art hatten und haben die hiesigen israelitischen Mädchenschulen stets anzukämpfen. Unsägliche Opfer wurden von der hiesigen Gemeinde gebracht, um die Mädchenschule zu erhalten, Opfer des schönsten Zweckes würdig. Ein trauriger Zufall wirkte aber derart zerstörend ein, daß sich die Schule auflöste. Der von Padua zurückgekehrte Hr. L. H., der sich um die hiesige weibliche Jugend verdient machte, übernahm abermals die Leitung einer Privat-Mädchenschule, verließ aber bald wieder Preßburg, und drei konzesfionirte Mädchenschulen tauchten nacheinander auf. Zwei derselben find den Weg — vieler Schüler gegangen, eine derselben besteht noch, und zwar im Todesko'schen Stiftungsgebäude, wo sich auch die Kleinkinder-Bewahrstube befindet, und von letzterer kann man wohl sagen: Das Werk lobt den Meister. Als dem Orte des Statthaltereisitzes für den Preßbnrger Distrikt steht unserer Gemeinde noch die k. k. Musterhauptschule bevor. Die Stellung der hiesigen Lehrer betreffend, so bietet sie eben so wenig als anderswo erfreuliche Aussichten für die Zukunft. Während der Lehrer in den meisten Gemeinden Ungarns einen in Anbetracht der Zeitverhältniffe sehr kargen Gehalt beziehet, ein Gehalt, der kaum ausreicht, die nüthigsten Bedürfniffe einer Familie zu bestreiten, und an ein Ersparniß also nicht zu denken ist; während der Lehrer seine Jugendkräste, seine Gesundheit opfert, was bei dem Umstande, daß er täglich 7 bis 8 Stunden in der Schule, und außerdem noch Privatunterricht ertheilen muß, nicht anders möglich ist; während der Lehrer bei seinen vielen Mühen, Entbehrungen aller Art sich auflegen muß, und seine Kräfte oft sehr früh abnehmen, ist seine Zukunft trübe und gesährdet, da er eine Pension im Alter, oder, wenn er durch Krankheit unfähig wird, nicht zu hoffen hat. Wir klagen hiemit nicht die Gemeinde-Vorstehungen an. Die Mittel der Gemeinden find oft beschränkt! An dem Lehrer aber ist es, nach dem Muster anderer Vereine, solche auch bei uns für israelitische Lehrer einzuführen, um Lehrer, wenn sie alt und unfähig, zu unterstützen, um deren Witwen und Waisen zu versorgen. Um wie viel leichteren Herzens würde mancher Schullehrer an seinen Beruf gehen, und wie leicht wären ihre Entbehrungen um solchen Preis, und wie glücklich würde dann die Stellung einer Lehrerfamilie seist! Sind wir gut unterrichtet, so sind ähnliche Projekte au der Engherzigkeit besfet gestellter Lehrer gescheitert. Aber eben an diese ergehet unsere Bitte, die Grundsteine dazu zu legen! Auch an die ehrwürdigen Herrn Rabbinen Ungarns ergehet unsere Bitte, die Lehrer ihrer Gemeinden dazu auffordern und Fürsprechet der Lehrer in den Gemeinden sein zu wollen! An die Edlen in den israelitischen Gemeinden Ungarns ergehet unsere Bitte, um Beistand für einen