Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 421 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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421 oder jener am Sabbath mit einem Spazierstabe ausgeht und seine Küche auf diese oder jene Weise führen läßt. Ludwig Weltner. Beßprirn, im August. Noch ist kein ganzes Jahrzehend verflossen, daß aus dem Chaos des Chederthums die Lichtwelt unseres heutigen Schul- Wesens erstanden, und schon sehen wir diese neue Schöpfung bis zu einem hohen Grade der Entwickelung gediehen nud mit rapiden Schritten ihrer Vervollkommenung entgegen eilen. Wer neben den großen Opfern, die bereitwilligst auf den Altar des Gemeinwohls dargebracht wurden und die edlen Bestrebungen, die sich allenthalben kundgaben, um dieses heilige Ziel zu erreichen, zugleich auch die unzähligen Schwierigkeiten kennt, die überwunden werden mußten, der kann sich gewiß nicht genug wundern, über den glänzenden Sieg, den das Bessere und Zeitgemäße errungen, und er wird die innigste Freude empfinden, wenn er nun die verwahrlosten Felder voll wuchernden Unkrautes in geregelte und blühende Fluren verwandelt sieht, worin bereits die schönsten und edelsten Früchte reifen. So wie alle neuen und zeitgemäßen Verbesserungen ihre heftigen Opponenten finden, weil sich diese in dem alten Schlendrian behaglich Hineingelebten nicht bemühen wollen oder können, das Neue zu studiren, zu erproben, und den Nutzen desselben zu erkennen, eben so findet auch das israelitische Schulwesen in Ungarn seine mächtigen Gegner, die ihrem ungegründeten Mißmuthe auf jede mögliche, Schule und Lehrer gefährdenden Weise Luft machen. Ohne mit dem Wesen der Pädagogik und des Schulwesens auch nur im Ge« ringsten vertraut zu sein, hat der Eine an dem neuen Unterrichtssysteme alle erdenklichen Fehler auszusetzen, dem Andern Witt die neue Schulordnung nicht Zusagen, der Dritte eifert gegen die definitive Anstellung der Lehrer re. während Sach- und Fachkenner diese neue Schöpfung mit unsäglicher Freude begrüßen. Wohl haben die israelitischen Schulen in Ungarn ihre Vollkommenheit noch nicht erreicht, und es bleibt noch Vieles zu thun übrig; doch iß auch zu bedenken, daß jedes Ding in der Welt seine Entwickelungsperiode durchmachen muß. Die Blume sprießt nicht als fertige Blume aus dem Boden, der Baum schießt nicht mit seinem dicken Stamme, seinen Aesten, Zweigen, Blättern und Früchten auf einmal auf, das Kind ist nicht in der Wiege schon der erfahrene Mensch. Haben wir nicht überhaupt jede Erfindung und Entdeckung im Gebiete der Kunst und Wissenschaft, sowie jede nachherige Verbesserung und Vervottkommenung derselben lediglich den vorangegangenen Erfahrungen zuzuschreiben, einige ausgenommen, die wir dem Zufalle zu verdanken haben? Man darf daher auch nicht über unsere Schulen, die sich ebenfalls noch in ihrer ersten Entwicke- Lungsperiode, in ihrer Kindheit befinden (wie viele find jetzt erst im Entstehen?) vorschnell den Stab brechen, zumal wir die Ueberzeugung haben, daß an der Verbesserung derselben unablässig mit unermüdlichem Eifer gearbeitet wird, und diese Bemühungen von den schönsten Erfolgen begleitet find. Sind hie und da noch verschiedene Mängel fühlbar, so ist dies auch verschiedenen erte- Ben-CbaaaDj« 1859. IX 27 ü■